Deutsche Trilogie
D 1972-77
21.04.2008, 15:07, Text:
Martin Büsser
Hans-Jürgen Syberberg schrieb Bücher über "Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege". Jetzt liegt seine 13 Stunden lange Trilogie über Ludwig II., Karl May und Hitler vor. Für Martin Büsser zeigt sich darin Syberbergs infamer Ästhetizismus.
Diedrich Diederichsen ist kein Autor, der sich allzu leicht zu einer persönlich werdenden Polemik hinreißen lässt. In "Freiheit macht arm" platzte ihm dann aber doch der Kragen. Grund dafür war Hans-Jürgen Syberbergs 1990 beim Matthes&Seitz-Verlag erschienenes Buch "Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege", eines der vielleicht dreistesten Zeugnisse der Neuen Rechten. Darin behauptet und beklagt Syberberg, die Linken und Juden hätten nach dem Krieg alle kulturelle Macht an sich gerissen und so zu einem kulturellen Zerfall Deutschlands beigetragen.
"Wer mit den Juden ging wie mit den Linken", so Syberberg, "machte Karriere und hatte es nicht unbedingt mit Liebe oder Verständnis oder gar Zuneigung zu tun." Die alles beherrschende Kultur der Linken und Juden sei nämlich eine "Ästhetik des Kleinen, Schmutzigen, Kranken", dem man Werte wie Schönheit, Nation und Provinz entgegenhalten müsse. Diederichsen war entsetzt, dass "Witzfiguren wie dieser windige Wagnerianer" im Post-Wende-Deutschland wieder ernst genommen wurden. Aber wurde er das? Während Botho Strauß mit seinem Essay "Anschwellender Bocksgesang", in dem der Autor Verständnis für brandmordende Neonazis andeutete, für eine heftige öffentliche Debatte sorgte, ging Syberbergs wirres Geraune sang- und klanglos unter.
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