COUCHPOTATOES

Im Kino verpasste Filme mit Alexander Dahas

19.02.2008, 11:40, Text: Alexander Dahas

Bei circa 400 Filmen, die hierzulande pro Jahr anlaufen, ist es kein Wunder, dass deren durchschnittliche Verweildauer im Kino entsprechend kurz ist: \\\\\\\\\"Schatz, wir wollten doch in ›John Rambo‹ gehen!\\\\\\\\\" \\\\\\\\\"Ja, aber das war letzte Woche, Liebling!\\\\\\\\\" Man kennt das Szenario.


Die Zweitverwertung im Pantoffelkino muss immer öfter ersetzen, was die Multiplex-Säle sich schlicht nicht mehr zutrauen. Dabei lohnt der Blick auf die Etappe zuweilen durchaus: Als Antithese zum Folterhorror zeitgenössischer Brachialschocker wirkte etwa \\\\\\\\\"Zimmer 1408\\\\\\\\\" (Senator) direkt klassizistisch mit seiner schnörkellosen Haunted-House-Story. John Cusack in der Hauptrolle einer Stephen-King-Verfilmung schadet natürlich auch nie.

Genau wie das Wiedersehen mit John McClane in \\\\\\\\\"Stirb langsam - Recut Version\\\\\\\\\" (Fox Home). Das Action-Franchise ist nach wie vor der Wertarbeiter unter den cineastischen Abrissfirmen und auf wohltuende Art so bodenständig wie sein Markenzeichen, das durchgeschwitzte Unterhemd.

Ganz ohne Unterhemd kommt dagegen das gesamte Personal von \\\\\\\\\"Die Legende von Beowulf\\\\\\\\\" (Warner) aus, wo man den latent ironischen Zugang zum martialischen Klassiker suchte und fand. Wer Manowar-Cover mag, liebt diesen Film.

Auch schön: Bei \\\\\\\\\"Wächter des Tages - Director's Cut Edition\\\\\\\\\" (Fox Home) findet die Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse gleich in Moskau statt - ein produktionstechnischer Geniestreich, der Kosten spart und an authentischer Atmosphäre nichts zu wünschen übrig lässt.

Charme bis unter beide Feenflügel hat dagegen \\\\\\\\\"Der Sternwanderer\\\\\\\\\" (Paramount), ein modernes Märchen mit Starbesetzung, in dem Robert De Niro als schwuler Pirat all jene beglückt, die ihn auch schon in \\\\\\\\\"Goodfellas\\\\\\\\\" oder \\\\\\\\\"Casino\\\\\\\\\" mochten.

Julie Taymors \\\\\\\\\"Across The Universe\\\\\\\\\" (Sony) indes schafft es, die Worte \\\\\\\\\"Beatles\\\\\\\\\" und \\\\\\\\\"Musical\\\\\\\\\" zu einer sinnstiftenden Einheit zu verbinden, ohne dass die Geschmackspolizei ausrücken müsste. Respekt.

Gleiches gilt für das melancholische und höchst unterhaltsame Außenseiterdrama \\\\\\\\\"Hallam Foe\\\\\\\\\" (Universal), das ein noch zu unbekanntes Phänomen thematisiert: den sexuellen Appetit auf Frauen, die aussehen wie Mama.

\\\\\\\\\"Von Löwen und Lämmern\\\\\\\\\" (Fox Home) auf der anderen Seite ist Robert Redfords amerikatreue Abrechnung mit Amerika in Gestalt der gegenwärtigen Regierung, der allgegenwärtigen Armee und der gleichgeschalteten Presse. Heikel.

Verschroben-kurios kommt währenddessen \\\\\\\\\"Gucha\\\\\\\\\" (Kinowelt) daher, die Balkan-Variante von Romeo und Julia, in der ein junger Zigeuner für die Hand seiner Angebeteten ein Blasmusikfestival gewinnen muss.

Und zu guter Letzt wäre da noch Uwe Bolls \\\\\\\\\"Postal\\\\\\\\\" (Splendid), der seinen Chaoten-Humor offenbar als allergische Reaktion auf die herrschenden Verhältnisse versteht. Nichts ist heilig in einer Videospielverfilmung (!), die sich wonnevoll über Amokläufe und Terroranschläge lustig macht und verspricht, 5 % ihres Erlöses direkt an Al-Qaida zu spenden.



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aus Intro #158 (März 2008)
 
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