Cowboy Bebop Collectors Box

J 1998

[R: Shinichiro Watanabe; Nipponart]

22.01.2008, 14:56, Text: Lars Brinkmann

Living in a box: Den Anime-Klassiker \"Cowboy Bebob\" gibt es jetzt als limitiertes Superluxus-Paket mit allem Drum und Dran. Anlass genug für Lars Brinkmann, sich mal prinzipielle Gedanken zu den Sehgewohnheiten als Serien-Addict zu machen.



Bereits die aufgeblasene Single-Box im 8-Inch-Format signalisiert Einzigartigkeit. Kategorie: das Präsent, das sich sogar der Otaku nur zu besonderen Gelegenheit gönnt. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 129,95 Euro für neun DVDs ist die auf 2000 Stück limitierte \"Cowboy Bebop Collectors Box\" ein teures Vergnügen.

Aber angesichts der Tatsache, dass Fans schon für die relativ billig gemachten sechs DVDs mit den insgesamt 26 Folgen des Animes im Einzelkauf runde 120 Euro ausgeben müssen, ist das nur ein kleiner Aufpreis für eine Menge Bonus-Material, das natürlich keiner wirklich braucht. Aber was braucht man schon, um zu überleben? Wasser, Brot und eine Flatrate? Bestimmt keine DVD-Boxen, die ohnehin in den meisten Haushalten und Jugendzimmern einen Großteil ihres Daseins als Bücherstützen und Regalfüller Staub ansammeln. Hat sich schon mal jemand öffentlich ein paar kluge Gedanken zu dieser Anti-Dynamik gemacht, die Boxsets mit sich bringen - dass gerade umfangreichere Gesamtwerke beim stolzen Besitzer nicht selten zu einer seltsamen Form von Ignoranz führen?

Als hätte sich der Fall mit dem Erwerb einer Box erledigt - oder als neige man, vielleicht aufgrund des Preises und des daraus resultierenden schlechten Gewissens, zur Verdrängung/Vermeidung. Ich bekenne mich z. B. zu einer selbst gekauften und ungeöffneten Box mit allen Folgen der durchweg brillanten Sixties-Kultserie \"The Prisoner\".
Weil ich manchmal ein gewissenhafter Kerl bin, habe ich mir in diesem Fall nur für euch (und für Wolfgang) alles angesehen, jeden Fitzel aufgesaugt, bis hin zu den Audiokommentaren und einem nichtssagenden zehnminütigen Interviewversuch mit dem Regisseur Shinichiro Watanabe und einem etwas längeren, aber unvergleichlich unterhaltsameren Geplauder mit der Komponistin Yôko Kanno.

Fazit: Wie \"The Prisoner\" ist \"Cowboy Bebop\" ein mehr als nur unterhaltsames Werk, das bis heute in seinem popkulturell wertvollen Mythen-Mix mit Elementen aus Film Noir, Space Opera und Western als Ausnahmeerscheinung gelten muss. Drei Episoden, hier \"Sessions\" genannt, werden durch die jeweiligen Audiokommentare von einem noch seltsameren Witz als für gewöhnlich beseelt - man sehe sich nur auf der ersten Bonus-Disc die Session #17 \"Mushroom Samba\" an: Wie es zu dem Samba im enigmatischen Titel kam, ist Watanabe bis heute ein Rätsel, während Kanno darauf besteht, nichts von Magic Mushrooms zu wissen, was wiederum ... Ach, das muss man einfach gesehen und gehört haben. Nee, echt jetzt!







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