Santa Sangre

MEX/I 1989

[R: Alejandro Jodorowsky; D: Axel Jodorowsky, Sabrina Dennison, Guy Stockwell; ufa - Kino Kontrovers]

23.11.2007, 17:03, Text: Thomas Venker

Es waren John Lennon und Yoko Ono, die den Chilenen Jodorowsky Ende der 60er für sich entdeckten und mit einem richtigen Budget ausstatteten. Das Ergebnis waren mit \\"El Topo\\" (1970) und \\"The Holy Mountain\\" (1973) zwei Sternstunden des surrealistischen Kinos. Wüsste man es nicht besser, dann würde man die Filme angesichts ihrer alles sprengenden Bildgewalt und aus diversen Mythenwelten zwischen Ägypten und Griechenland gespeisten Plots mit dem Gebrauch von halluzinogenen Drogen in Verbindung bringen. Aber denen war ihr Regisseur nie zugeneigt.


Er öffnete einfach neue Dimensionen der Bildkomposition - leider folgte ihm das Publikum der Zeit nicht. Es sollte lange dauern, bis er mit \\"Tusk\\" (1980) einen weiteren Film angehen konnte, und noch länger bis zum nächsten: \\"Santa Sangre\\" - produziert von Claudio Argento, Darios Bruder. Ziel war es, einen Horrorfilm zu drehen. Was Jodorowsky dann aber in Mexiko auf Zelluloid bannte, war eher eine Referenz an \\"Freaks\\", den Filmklassiker von Tod Browning, als der erhoffte Suspense-Thriller.

\\"Santa Sangre\\" ist Jodorowskys nächstes Bekenntnis zum \\"Abnormalen\\", dem einzigen sozialen Moment, das ihn anspricht. Die DVD enthält nun seinen Kommentar zum Film. Besonders interessant, da er diesen bei der Aufführung zum ersten Mal seit sieben Jahren sah. Sein Sohn, der die Hauptrolle spielte, ist in den 90ern verstorben. Da der Film primär visuell erzählt ist, ermöglicht der Kommentar einen tieferen Zugang. Es geht um Leidenschaft und Mord, um Rache und Erlösung und um eine klassische Ödipusgeschichte, angesiedelt im mexikanischen Zirkusmilieu. Wunderschön fotografiert, voller Details und Referenzen.

Jodorowsky selbst spricht von einem sentimentalen Film. Und ja, das ist er durch und durch, auf eine sehr zärtliche Art. Da er uns behutsam an der Hand nimmt, uns nicht schockt - auch das, aber auf sehr poetische Art und Weise -, sondern uns einflechtet in ein Gestrüpp aus Leben und Sterben, Individualität und Sozialität, Ab- und Unabhängigkeiten. Und so ist \\"Santa Sangre\\" letztlich ein sehr versöhnlicher Film.






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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)

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