Kochen mit

Kurt Krömer

23.11.2007, 12:24, Text: linus volkmann, Foto: Rainer Holz
[1 Kommentar]

Zur Hölle mit all jenen, die es nie für nötig gehalten haben, Vulgär-Popkultur zu pauken. Die ihre ledrigen Gehirne nie damit belastet haben, Sitcom-Punchlines auswendig zu lernen. Denen fehlt nun eben das Farbbild zu folgender 'Simpsons'-Szene: Homer sitzt mit der Familie bei Tisch, hört im Geiste Zirkus-Einmarschmusik und verkündet aufgebracht und für die Seinen vollkommen aus dem Nichts: \"Ihr habt mir lange genug im Weg gestanden. Ich gehe aufs Clown-College!\"


Clown-College? Damit konnte keiner rechnen. Was soll das überhaupt sein? Lernen, wie man witzig ist? Vielleicht sogar Humor-Tests schreiben? Absurde Vorstellung. Absurder vielleicht nur die Realität: Die Realität, dass Kurt Krömer in Hannover ein solches besucht hat. Allerdings weder eine lange noch schöne Erinnerung für jenen: \"Ich war da drei Wochen und hab erst später gemerkt, ich habe da einen Vertrag unterschrieben und musste für ein Jahr zahlen. Bekloppt.\"

Habe Brille


Kurt Krömer also. Dieser komische Typ mit der Personality-Show im Fernsehen, mit den zu großen Anzügen, der Brille und der nach oben transponierten Stimme. Ist der Look eigentlich Indie-Referenz oder doch bloß Rest-Schlager-Party? Weder noch, sagt er. Nur einfach sein ganz eigenes Ding, die Figur Kurt Krömer - und das schon lange und überhaupt: Leicht war es nicht gerade, diesen Typen durchzubringen. \"Vor fuffzehn Jahren habe ich angefangen zu spielen. An Samstagen waren da dann schon mal acht Leute da, und zur Pause sind sechs gegangen. Ich hab damals gern gesagt: ›Ich spiel vor doppelt so vielen Leuten wie icke.‹ Und das anderthalb Stunden. Da hätte man damals auch schon sagen können: ›Das bringt ja nichts.‹ Ich kann meine Miete nicht bezahlen, fliege überall raus, habe nix zu fressen. Aber ich hab weitergemacht, und über Mundpropaganda, ohne Presse, ohne Fernsehen, ohne reiche Eltern hat sich das schön gesteigert. Ich hatte nebenbei auch eine Ausbildung gemacht als Herrenausstatter, die habe ich erfolgreich abgebrochen nach einem Jahr, hat mir nicht gefallen. Da hatte ich das Gefühl, meine Zukunft ist verbaut, entweder biste auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters, oder du gehst auf die Bühne. Und ich stehe zu meinem Background. Dafür, dass ich sage, ich komme aus Neukölln, dafür hat es früher Buh-Rufe gegeben. Alles, was ich gemacht hab, war lange Zeit in den Augen der anderen Kacke, kommste nicht weiter mit. Aber ich wusste: ›Doch, ich komme weiter.‹ Kann vielleicht Jahre dauern, aber irgendwann klappt es schon. Helge Schneider hat, glaub ich, 20 Jahre dafür gebraucht. Aber da merkste, das ist was wert.\"

Die sonst so pathetische Pose des Selfmade-Man besitzt bei Krömer, wen wundert's, eine gewisse Leichtigkeit, obwohl sie vermutlich nicht nur bitterernst klingt, sondern es auch ist. Kurt Krömer schnieft. Erkältet. Statt Eukalyptus gibt er sich allerdings Kaffee, Filter-Zigaretten und Kölsch. Wohl bekomm's. Und auch das Menü, das er für das heutige Kochen mit bereiten will, lässt nicht gerade auf einen Wellness-Fanatiker schließen. Eher auf Punk, Verweigerung oder Autobahnraststätten-Proletariat. Gibt nämlich Ravioli aus der Dose, Schokopudding von Aldi plus Sprühsahne. Viel Spaß schon mal beim Nachkochen, werte Leser.

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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)

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  • User: omg
  • omg 09.12.2010 | 17:05:31

    Kurt Krömer sagt alles ab

    „Es war leider einfach so, dass Kurt Krömer am Ende eines langen und vielbeschäftigten Jahres mit Frühjahrstour, Theaterengagement in Berlin und einem einmonatigen Filmdreh so erschöpft war, dass sein Arzt ihm dringend geraten hat, sofort in Kur zu gehen.“

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