Italo Western Collection

Denn sie kennen kein Erbarmen - Der Italowestern

[D 2006; R: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger; D: Pierre Brice, Franco Nero; Koch Media]

22.10.2007, 17:56, Text: Martin Riemann

Obwohl sich der Italowestern bis heute als stilbildend für den Unterhaltungsfilm behaupten konnte, war bisher nur ein kleiner Teil der unglaublichen Fülle der italienischen Westernproduktionen der 60er- und 70er-Jahre in halbwegs annehmbaren Editionen erhältlich. Außer den absoluten Klassikern von Leone und Corbucci oder einigen mit Stars wie Franco Nero oder Lee Van Cleef besetzten Perlen des Genres blieb der wahre Genuss den Sammlern antiker VHS-Kassetten vorbehalten. Dass diese Fans mittlerweile an den richtigen Hebeln sitzen, beweisen die Veröffentlichungen der Firma Koch Media, die mit ihrer \\\"Italo Western Collection\\\" gleich mehrere Obskuritäten neu zugänglich macht.


\\\"Töte Amigo\\\" von Damiano Damiani ist ein gutes Beispiel dafür, wie der hohe Bedarf der italienischen Filmindustrie an Westernfilmen einem geschickten Regisseur einst die Verbreitung krudester politischer Statements ermöglichte. Damiani lässt drei grundverschiedene Archetypen aufeinandertreffen: den Amerikaner Bill (Lou Castel), der sich aus Profitgier an der mexikanischen Revolution beteiligt, den warmherzigen Bandenführer El Chuncho (Gian Maria Volonté) sowie dessen Bruder El Santo (Klaus Kinski), der mit heiligem Eifer die Unterdrücker seines Volkes bekämpft. Damiano richtet seine Sympathie auf die ambivalente Figur des El Chuncho. Dieser gibt zum Schluss den Armen eine unmissverständliche Botschaft mit auf den Weg: \\\"Kauft kein Brot! Kauft Dynamit!\\\" Weitere Highlights: die genüsslich inszenierte Bestrafung eines Großgrundbesitzers durch arme Bauern und zahlreiche Angriffe auf staatstreue Truppen. Nicht wenige Zuschauer dürften die Kinos damals als halbe Terroristen verlassen haben.

Weniger aufrührerisch, dafür aber umso irrwitziger ist der Film \\\"Yankee\\\". Es handelt sich um ein Frühwerk von Tinto Brass, dem Chefvoyeuristen des Erotikfilms. Brass erzählt die Story vom einsamen Helden, der im Alleingang eine sadistische Gangsterbande auslöscht, mit Hang zum Comic-Strip und einer bizarr entfesselten Kamera, die wirklich keinen noch so schrägen Winkel scheut. Mit Sergio Martinos \\\"Der Tod sagt Amen\\\" ist außerdem ein eher grob gestrickter Western erstmals erhältlich, in dem die Figuren wohlklingende Namen wie \\\"Zwei-Flaschen-Whisky\\\" und \\\"Arizona\\\" tragen. Dazu erscheint in der Reihe die Dokumentation \\\"Denn sie kennen kein Erbarmen - Der Italowestern\\\".




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