
Gefahr und Begierde
CN/USA 2007
[R: Ang Lee; D: Tony Leung, Tang Wei, Joan Chen, Wang Leehom; 18.10.]
22.10.2007, 17:57, Text:
Christian Meyer
Die Reaktionen auf den neuen Film von Ang Lee sind zwiespältig. In einem Punkt scheint jedoch Einigkeit zu herrschen: Trotz Liebe und explizitem Sex bleibt die Grundatmosphäre von \\"Gefahr und Begierde\\" kalt. Das war bei \\"Brokeback Mountain\\" nicht anders. Fremd erscheinen einem die Charaktere jeweils bis zuletzt - sie sind sich ja selbst fremd. Ihre Leidenschaft ist angefüllt mit Vorsicht, Misstrauen und Gewalt. Die drastischen Sexszenen zwischen Wang Jiazhi (Tang Wei) und Herrn Yi (Tony Leung) strotzen vor Aggression.
Bis es dazu kommt, schildert Ang Lee eine Geschichte des politischen Widerstands. Im Zweiten Weltkrieg zur Zeit der japanischen Besatzung ist die Studentin Wang Jiazhi Mitglied eines anti-japanischen Theater-Ensembles. Bald genügt der Gruppe ihr theoretischer Wirkungsgrad nicht mehr. Sie plant ein Attentat auf einen hohen chinesischen Beamten - einen gewissenlosen Kollaborateur. Um sein Vertrauen zu erschleichen, soll Wang dessen Geliebte werden. Doch ihr Spiel wird Wirklichkeit, sie verliebt sich in den Feind.
Mit filmischer Souveränität breitet Ang Lee die ganze Tragödie vor uns aus wie auf einem Seziertisch - klar und gut ausgeleuchtet. Aber eben nicht mit der Emotionalität eines Dramas. Allzu leicht könnte man den Film der Handlung wegen auf die Formel \\"erotischer Agententhriller\\" runterbrechen. Unter der scheinbar konventionellen Oberfläche stecken allerdings tiefer gehende Fragen nach Moral und Verantwortung.
\\"Gefahr und Begierde\\" ist ein intelligenter Film, irgendwo zwischen Lina Werthmüllers \\"Liebe und Anarchie\\" und Nagisa Oshimas \\"Im Reich der Sinne\\". Das Historische belässt Lee dabei ebenso im Vagen wie die Gefühle der Figuren. Nur selten werden Emotion oder Geschichte konkret und brechen gewaltvoll hervor. Zum Beispiel wenn die Widerstandskämpfer das erste Mal töten müssen, das Opfer aber einfach nicht sterben will. Politischer Wille, Wut, Angst und Ohnmacht prallen dann spürbar aufeinander. Oder wenn Yi und Wang im Fond eines Autos sitzen. Yi bedrängt sie lüstern, während er von seinen Folterpraktiken erzählt. Man muss unwillkürlich an Klaus Theweleits Analyse des Terrors in seinen \\"Männerfantasien\\" denken. Derlei überraschende Anknüpfungspunkte bietet \\"Gefahr und Begierde\\" noch reichlich.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
DVD-EMPFEHLUNGEN
- » A Beginner’s Guide To Endings...
- » Night Of The Living Dead - Wi...
- » Misfits - Die erste Staffel
- » Ashes To Ashes - Byzantinisch...



