
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
USA 2006
[R: Andrew Dominik; D: Brad Pitt, Casey Affleck, Sam Rockwell; 25.10.]
22.10.2007, 17:58, Text:
Olaf Möller
[6 Kommentare]
Wahrscheinlich hat Marco Müller die Karriere von Andrew Dominik am Laufen gehalten, als er dessen \\"Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford\\" in den Wettbewerb von Venedig nahm, wo Brat Pitt prompt den Darstellerpreis gewann. In einem der Festivalblättchen hieß es, Pitt habe den Film aufkaufen wollen, da er das Ergebnis zum Kotzen finde. Die Produzenten (darunter Ridley Scott, der froh sein sollte, dass sein Name mal für was Gutes steht) wollten den Film Action-orientierter haben und jagten ihn von Testvorführung zu Testvorführung.
So lange, bis sie Dominik letztlich weitestgehend seinen Willen ließen. Was aber alles nichts genützt hätte ohne eine Premieren-Plattform wie Venedig. Nun fragt man sich, wie die Herren Produzenten Tempo in einen Film bringen wollten, dessen gesamte Anlage elegisch ist. Die Vergleichsgrößen sind Terrence Malick und Alexandr Sokurov, beides Genies eines Kinos, das eher spirituell als psychologisch ist.
\\"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford\\" lässt viel aus, was man in Biografien sowie klassisch-bürgerlichen Romanen erzählt. Sowohl über die ersten 33 Jahre im Leben von Jesse James (Brad Pitt) als auch die ersten 20 von Robert \\"Bob\\" Ford (Casey Affleck) erfährt man wenig. Nur wenn man etwas über den Süden kurz nach dem Krieg zwischen den Staaten weiß, dann bemerkt man die entsprechenden Details. Auch aus den Monaten zwischen dem Blue-Cut-Eisenbahnüberfall und dem Mord an Jesse James am 3. April 1882, also jenem Zeitraum, in dem die ersten knapp zwei Stunden spielen, sieht man eher elliptische Episoden als entscheidende Szenen. Die finalen rund 40 Minuten bestehen fast nur noch aus Fragmenten.
Dominik hat aus Ron Hansens grandiosem Roman einen postmodern-biblischen Essay geschält, mit Jesse als Jesus und Bob als Judas. Und mit den Massenmedien - Zeitungen, Groschenromanen, Theater, Fotografie - als sehr weltlichem Gott von zutiefst manichäischer Natur. Jesse wartet auf den Mann, der ihn aus dem immer unerträglicheren Zwiespalt von Leben und Legende reißt. Bob wartet auf die Möglichkeit, selbst eine Legende zu werden. So wartet auch der Mann, der den Mann, der Jesse James erschoss, erschießen will und wird. Das alles in Bildern von opak-fahlem Bernstein und falsch vertraulichem Cord.
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lazy boy 26.10.2007 | 21:45:39
"Das alles in Bildern von opak-fahlem Bernstein und falsch vertraulichem Cord."
mir wir falb zumut.
hansmoleman 26.10.2007 | 22:11:30
...behaupte ich mal so.
noch mehr als der film selbst interessiert mich das hier!
(freilich auch woanders erhältlich!)
snorej 27.10.2007 | 08:53:29
ich finde eigentlich alle filme gut in denen pitt einen bart trägt, außer "legenden der leidenschaft".
ich schau ihn mir an. außerdem steh ich auf western.
Stitch 28.10.2007 | 00:05:20
neoliberaler Verschwo:rer
darunter Ridley Scott, der froh sein sollte, dass sein Name mal für was Gutes steht
da fehlt ganz entschieden ein "wieder" in dem halbsatz...
Tomalak 28.10.2007 | 00:11:13
runner vonn de Gass
ein Film macht noch äh keinen Sommer.
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