Leroy

D 2007

[R: Armin Völckers; D: Alain Morel, Anna Hausburg, Constantin von Jascheroff, Günther Kaufmann, Eva Mannschott; 27.09.]

13.09.2007, 14:05, Text: Birgit Binder

Bildhauer Armin Völckers drehte ein Jahr nach dem Kurzfilm \\"Leroy räumt\\", den man auf YouTube ansehen kann, seinen ersten Warner Brothers. Im Format des Kurzfilms, zu dem die meisten angehenden Filmschaffenden gezwungen werden, um es doch nur als \\"kurzen Film\\" zu verschwenden, brilliert Völckers. In körnigen Blaxploitation-Sequenzen wartet er auf mit Miniaturen zu Fremdenhass, Antisemitismus und Neonazismus. Leroy (Alain Morel) und seine Freunde, die wegen ihrer von der Mehrheit abweichenden Hautschattierung ständig damit konfrontiert werden, geben den gefährlichen Unsinn der Lächerlichkeit preis.

Alle für den Soundtrack angefragten Musiker, darunter Torch, Jan Delay und Blumentopf, sagten nach dem Kurzfilm-Screening zu und komponierten je einen exklusiven Track zu einer ihnen zugewiesenen Szene. Während der Kinofilm an die kurze Fassung insgesamt nicht heranreicht, lässt sich immerhin das musikalische Ergebnis fast ausnahmslos hören und kulminiert in einem Clip in \\"Formel 1\\"-Ästhetik, der den 17-jährigen Protagonisten zusammen mit fünf Neonazi-Skins als funky Boygroup präsentiert.


Die Skins sind die Brüder von Leroys Freundin Eva Braune (Anna Hausburg), die ihrer vorurteilsgesättigten Familie trotzt, bis sie von einem angeheuerten Mob zusammengeschlagen wird. Leroys gewagter Schlussthese, den Faschismus durch Kommerzialisierung qua Musikclip besiegen zu können, liegt die Prämisse zugrunde, prügelnde Skinheads mit Neonazi-Parolen seien - einmal zum \\"Subkultur\\"-Phänomen deklariert - im Popmusikindustrie-Moloch verschleißbar, ergo handlebar.

Erinnerungen werden wach an Mel Brooks' dröhnende Posse \\"The Producer\\" aus dem Jahr 1968. Grotesk bis zur Geschmacklosigkeit, ließ Brooks einen erfolglosen Produzenten und seinen Buchhalter das miserabelste Broadwaymusical aller Zeiten, \\"Frühling für Hitler\\", inszenieren. Auch Völckers' \\"Leroy\\" arbeitet mit hyperbolischen Dialogen und tabubrecherischer Situationskomik. Hinreißend etwa, wenn Leroy im Braune'schen Wohnzimmer den Wellensittich namens Rommel vor dem Tod rettet. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Doch haben \\"Leroy\\" und \\"The Producer\\" bedauerlicherweise zwar die Altersfreigabe ab zwölf, nicht aber ihr kritisch-komödiantisches Niveau gemeinsam. Nichtsdestotrotz ist \\"Leroy\\" in Zeiten des Mügelner Mobs einen Kinobesuch wert, gerade weil vor den Lichtspielhäusern Monstrositäten warten.

       
       



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aus Intro #154 (Oktober 2007)

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