Monks - The Transatlantic Feedback

D/E/USA 2006

[R: Dietmar Post, Lucia Palacios; D: Larry Clark, Hans Joachim Irmler, Dave Day, Eddie Shaw, Gary Burger, Jon Spencer; 04.10.]

11.10.2007, 10:02, Text: Frank Geber

Alles war schroff. Das Aussehen, der Sound, die Songtexte. Bloßgelegte Schädeldecken, schwarze Klamotten. Um den Hals Stricke statt Krawatten. Ein verstärktes Banjo als zusätzliches Rhythmusinstrument. Ein Drummer, der keine Cymbals braucht. Ungerades Taktmaß. Kreischende Orgel. Stoische Energie. Die Monks kamen mit ein, zwei Akkorden pro Stück und wenigen Worten aus: \"I hate you, baby / But call me\".


\"Es war zu wenig, zu schnell\", sagt Eddie Shaw, ein cooler allürenloser alter Mann irgendwo in Nevada, im Rückblick auf die kurze Phase seines Lebens als Monk. Fünf junge Typen aus den USA gingen zur Army, weil sie pleite waren und aus ihren Käffern raus wollten. Als GIs gründeten sie die Beat-Band The Torquays. Nach dem Ende des Armeedienstes als Bereitschaftskanonenfutter konnten sie prima mit täglichen Auftritten überleben und Spaß haben. Dann schalteten sich zwei als bodenständige Werbefritzen getarnte Fluxus-inspirierte Manager ein: Walther Niemann und Karl Remy. Sie setzten auf Minimalismus, auf eine Radikalisierung des Images und der Musik. Aus den Torquays wurden die Monks.

1966 wurde ein visionäres, erfolgloses Album veröffentlicht, 1967 die Band aufgelöst. Die Anti-Beatles mit den Mönchstonsuren waren schnell wieder vergessen. Dennoch gab es Nachwirkungen. Etwa bei Hans Joachim Irmler, dem späteren Gründungsmitglied von Faust, den die Monks als Jugendlichen beeindruckten.

Für den Film wurden die verstreut in den USA lebenden Ex-Monks über ihre Vergangenheit interviewt. Dazu gibt es Foto- und Filmmaterial zur Illustration jener Zeit. Adenauer, Erhard, Kennedy, Kuba-Krise, Vietnamkrieg. Ein CDU-Parteitag mit dem Transparent \"Auch morgen keine Experimente\". Auch Betrunkene, die auf dem Hamburger Fischmarkt mit einer Maus auf dem Kopf oder einem Fisch an der Leine herumspazieren, fehlen nicht. Die schillerndste Figur, die in der Doku auftaucht, ist der inzwischen verstorbene Charles Wilp. Man sieht ihn - weil die Musik der Monks, die er für einen seiner avantgardistischen Afri-Cola-Werbespots verwenden wollte, bei den Auftraggebern auf Unverständnis stieß - als Dirigent vor klassischen Sinfonikern. Wilp musste sie notgedrungen als unhandliche Werkzeuge benutzen, um eine schwerelose Musik nach seiner Vorstellung, eine Art Space-Jazz einzuspielen. Hätten die Monks den Auftrag bekommen, wären sie heute nicht nur ein Geheimtipp.


Seit dem 04.10. läuft 'Monks - The Transatlantic Feedback' in ausgewählten Kinos.



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