
Prinzessin
D 2005
[R: Birgit Grosskopf; D: Henriette Müller, Irina Potapenko, Desirée Jaeger; 04.10.]
13.09.2007, 13:43, Text:
Birgit Binder
\\"Princess\\" lesen wir auf Katharinas Hose, als sie sich in der S-Bahn umdreht. Auf ihr Geburtsland Russland angesprochen, schreit die junge Frau: \\"Ich bin Deutsche! Deutsche!\\" Um ihre Freundin Yvonne zu decken, nimmt sie eine Strafanzeige wegen Körperverletzung auf sich. Als Yvonne ihre Haftstrafe nicht antritt, verweigert Katharina weitere Loyalitätsbeweise, zieht sich einen Rock an und tanzt allein auf der Russenparty in Block B des sauberen Kölner Vorstadtbetonbaus. \\"Bloß kein deutsches Sozialdrama. Und bloß keine pädagogisch wertvolle Haltung\\", schreibt Regisseurin Birgit Grosskopf in den Produktionsnotizen zu ihrem ersten Langfilm.
Dabei beweist \\"Prinzessin\\", wie die verschmähte Dramengattung gelingen kann: indem die Kamera sich einer Aburteilung der gewalttätigen jungen Protagonistinnen entzieht. \\"Prinzessin\\" kommt treffsicher zu einer Zeit in bundesdeutsche Kinos, in der Frauen- und Jugendministerin Anne Lütkes \\"Mädchengewalt\\" als \\"Ausdruck eines neuen Weiblichkeitsbildes\\" proklamiert und SozialarbeiterInnen auf Kongressen fragen: \\"Schlagen Frauen zu oder zurück?\\" Grosskopf scheint viel zu klug, um auf derlei verlegene Plattheiten filmisch antworten zu wollen, verweist \\"Prinzessin\\" doch vielmehr auf ein System tradierter sexualisierter Gewalt, dem mit Prinzessinnenträumen ohne Infragestellung unseres alltäglich reproduzierten binär-geschlechtlichen Heterozwangssystems wohl kaum beizukommen ist.
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