
The Doors - Arthaus Premium Edition
USA 1991
[R: Oliver Stone; D: Val Kilmer, Meg Ryan, Kyle MacLachlan; Kinowelt]
13.09.2007, 13:30, Text:
Martin Riemann
Oliver Stone hat sich in der Auseinandersetzung mit ureigenen Mythen seiner Generation noch nie mit Kleinkram abgegeben. Neben den großen Themen Vietnamkrieg, Präsidenten, Börse und Serienmord nimmt sich die Biografie eines Rockstars auf den ersten Blick unbedeutend aus. Doch Stone machte 1991 deutlich, dass er Jim Morrison für den amerikanischen Künstler par excellence hält.
Gemessen an der Bedeutung, die Morrison als Blaupause für alle folgenden männlichen Rockstars hatte, ist es nachvollziehbar, dass Stone nicht versucht, das Idol zu entmystifizieren, sondern den Sänger der Doors wie ein Fan betrachtet. Er lässt Morrison zum Sexgott mutieren, lässt den scheuen Dichter als tragischen Helden monolithischen Ausmaßes glänzen und leuchten. Er wirft jeglichen biografischen Ballast der Privatperson über Bord und konzentriert sich auf die Ausarbeitung der Kunstfigur des \\"Lizard King\\". Dessen Werde- und Untergang wird als exemplarisch für die dionysische Orientierung der Hippiegeneration geschildert. Dementsprechend ist der Film inhaltlich wie formal als Huldigung an Rausch und Enthemmung zu verstehen. Außer in einem Kindheitserlebnis Morrisons, das Stone an den Anfang des Films setzt, erlebt man den Künstler (verblüffend glaubwürdig dargestellt von Val Kilmer) niemals nüchtern, ja, er ist ohne den Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen überhaupt nicht vorstellbar.
Nicht durch Rock kommt der Mensch in Kontakt mit Drogen - ganz im Gegenteil! Er bringt sie mit. Gerade in den Momenten völligen Deliriums kennt die Bewunderung des Autorenfilmers für sein Sujet keine Grenzen. Entgleisungen wie der exhibitionistische Auftritt Morrisons in Miami geraten in der Inszenierung Stones zu epochalen Ereignissen, die mit großem stilistischen Aufwand den Exzess als Möglichkeit zur Aufhebung repressiver Werte feiern. Bei der Rekonstruktion der Konzerte gelingt es Stone ziemlich genau, die sexuell aufgeladene Atmosphäre der 60er aufs Saftigste nachzuempfinden und gleichzeitig die Unerhörtheit von Morrisons egozentrischem Verhalten deutlich zu machen. Die Rolle der anderen Bandmitglieder beschränkt sich dabei größtenteils darauf, das erratische Handeln des immer verpeilter wirkenden Stars als peinlich berührte Zeugen auszuhalten.
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