Feltrinelli

D/CH 2005

[R: Alessandro Rossetto; Pandora]

13.09.2007, 13:23, Text: Felix Klopotek

Der alte Mann grummelt: \\"Dein Vater wollte die Revolution!\\" Und der Sohn? Wehrt ab - nein, nein, ihm sei nicht alles einerlei. Der alte Mann, Giorgio Bocca, ein lang gedienter Autor des Verlages, erzählt von seinem neuesten Manuskript. Es handelt von der Zerstörung der Demokratie in Italien. Dank Berlusconi seien vier italienische Provinzen in den Händen der Mafia. Carlo Feltrinelli - der Sohn, der Verleger - nimmt das Konvolut entgegen.

Eine Szene aus \\"Feltrinelli\\". Wer linke Geschichte ansatzweise kennt, denkt sofort an die ganz große Glamstory: Giangiacomo Feltrinelli, Spross einer der reichsten europäischen Familien, 1926 in Mailand geboren, mit 17 bei den Partisanen, mit 18 bei den Kommunisten. Gründet 1954 einen Verlag samt Buchhandelskette. Eine Mischung aus Bertelsmann, Suhrkamp und März. Der Kommunist liebt den Jetset und tauscht mit Fidel Castro Kochrezepte. Erwirbt die Weltrechte an Pasternaks \\"Doktor Schiwago\\", baut das vielleicht größte Archiv zur Geschichte der Arbeiterbewegung auf. 1969 geht er in den Untergrund, bildet eine neue Partisaneneinheit. Italien droht ein faschistischer Putsch. 1972 kommt Feltrinelli in Vorbereitung einer bewaffneten Aktion ums Leben.


Regisseur Alessandro Rossetto will in seinem ersten fürs Kino gedrehten Dokumentarfilm den Klatsch umgehen. Feltrinelli - das ist eben nicht nur Giangiacomo. Das ist seine Witwe Inge, die den Verlag erfolgreich weiterführte; das ist Sohn Carlo, der jetzige Verleger, von dem man nicht so recht weiß, ob er überhaupt \\"politisch\\" ist; das ist eine Buchhandelskette, die längst nach den Vorgaben der modernen BWL tickt - mit smarten Managern und Verkaufshallen, die aussehen wie die von WOM. Das ist aber auch ein skrupulöser Lektor; das sind so kluge Autoren wie Amos Oz - und das ist ein Anspruch.

Diesen Anspruch Feltrinellis hält Rossetto hoch: Büchermachen ist intellektuelle Verantwortung, Lesen bedeutet Aufklärung, das Durcharbeiten von Texten bereitet diese vor. Feltrinelli ist hier nicht die tragische Figur des Salon-Bolschewismus. Er wird von Rossetto als Heilmittel einer Gesellschaft anempfohlen, die nach sechs Jahren Herrschaft eines blödelnden Latin-Lover-Faschisten verkatert und erschöpft ist. Aber geht die Rechnung auf? Am Ende, sobald die Bücher die Druckerei verlassen haben, regieren halt doch die Verkaufsstrategen.



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