
La Antena
RA 2006
13.09.2007, 13:33, Text:
Cay Clasen
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - auch in Argentinien. So entstand unter der Regie von Esteban Sapir, der bisher nur durch einen Shakira-Konzertfilm aufgefallen ist, mit \\"La Antena\\" eine märchenhafte Hommage an den expressionistischen Stummfilm, die folgerichtig auch beinahe ohne Worte auskommt. Sapir zieht den Hut vor Fritz Lang, Georges Méliès, Friedrich Wilhelm Murnau sowie Robert Wiene.
Die Geschichte führt den Zuschauer in die schneebedeckte Stadt ohne Stimmen. Diese wurden den Bewohnern vom allmächtigen Señor TV geraubt. Auch die Kontrolle über sämtliche Geräusche, den Fernsehsender und die Lebensmittel liegt in seinen Händen. Nur selten lässt er die letzte verbliebene Stimme, die Sängerin La Voz, auftreten, um das Volk zu unterhalten und mit seinen Botschaften zu infiltrieren. Vom Größenwahn getrieben, entführt Mr TV auch noch La Voz und lässt sich von Dr. Y eine hakenkreuzförmige Apparatur bauen. Auf jene wird die Sängerin als Geisel geschnallt, um die Massenhypnose einzuleiten. Das Vorhaben Señor TVs wird von einem Techniker durchschaut, der nun - verfolgt von den Schergen des Schurken - mit Ex-Frau, Tochter und dem augenlosen Sohn von La Voz in eine verlassene Sendestation in den Bergen flieht, um die Pläne zu vereiteln.
\\"La Antena\\" ist eine aufwendig und liebevoll gestaltete Medien- und Systemkritik im Stil des deutschen expressionistischen Stummfilms. Dass Sapir seine Schlüsselszene als banalisiertes \\"Metropolis\\"-Zitat inszeniert, schadet der ansonsten sehr gelungenen visuellen Konzeption ein wenig - aus einem Buch erwächst die Stadt aus Papier, Kommunikation findet in Sprechblasen statt. Ansonsten hat alles Hand und Fuß bzw. Licht und Schatten. Stellenweise scheinen die Schatten (-spiele) seiner Vorbilder etwas zu groß, als dass Esteban Sapir sie mit seiner Story komplett füllen könnte. Problematisch bleibt zudem der schmale Grat zwischen gelungener Symbolik als Stilmittel und plakativem Holzhammer, den Sapir ein ums andere Mal schwingt. Dennoch hat er mehr abgeliefert als einen klassischen Fall von Style over Content fürs Arthauspuschenkinopublikum. Der Regisseur und Autor entpuppt sich in seiner Liebe zum Detail dermaßen als Idealist und Kinoliebhaber, dass von seinen kommenden Projekten Großes zu erwarten bleibt.
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