
Sakuran - Wilde Kirschblüte
J 2006
[R: Mika Ninagawa; D: Anna Tsuchiya, Masanobu Ando; 30.08.]
16.08.2007, 18:08, Text:
Birgit Binder
Carassius auratus, goldene Fische. Bei Mika Ninagawa tanzen sie im 15-Minuten-Takt zu J-Pop im hochpreisigen Kurtisanenmilieu der Edo-Zeit vor den Augen des Publikums. Das Kinodebüt der international renommierten Fotografin provoziert den Vergleich zwischen den leibeigenen Sexarbeiterinnen des Vergnügungsghettos Yoshiwara und der beliebten Karpfenart im Glas. Aber wer mag den androzentrischen Gemeinplatz der sexualisierten Asiatin in der spärlichen Geschichte um die Prostituierte Tomeki monieren, wenn J-Punkstar Anna Tsuchiya als Geisha Kiyoha ihre Kolleginnen verprügelt? Die Adaption des Mangas \"Sakuran\" würde wohl kaum in Ninagawas Polaroidstil funktionieren, porträtierte sie das Leben eines der wesentlich zahlreicheren, eher unbezahlten \"Teemädchen\" des 17. Jahrhunderts.
Das Dilemma der als Kind verkauften Kiyoha, die auf die Kirschblüte wartet, weil sie damit die Befreiung aus ihrem Gefängnis assoziiert, ist aber durchaus kurzweilig - zwischen bitterbösen Kommentaren über einschläfernde Stammkunden fortgeschrittenen Alters und dem Ekel während der medizinischen Inspektion durch den Besitzer. Wem die japanischen Verhältnisse vertraut sind, mag an die vagabundierenden Mädchen in Tokios jetzigem Vergnügungsviertel Shibuya denken - daran, wie sie sich mit Beauty-One-Night-Stand-Ausstattung auf dem Rücken im Kentucky Fried Chicken vor einem ihrer \"kompensierten Dates\" für eine Gucci-Tasche neben Burger und Coke die Locken nachdrehen. Fürwahr, die zeitgenössischen Goldfischbecken sind größer geworden.
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