
Hippie Masala
CH 2006
[R: Ulrich Grossenbacher, Damaris Lüthi; 30.08.]
16.08.2007, 18:08, Text:
arno raffeiner
Indische Bauern vermuteten eine Dürre im Westen als Ursache für die Einwanderung von Millionen junger Menschen in ihr Land in den 60er- und 70er-Jahren. Vielleicht hatten sie damit gar nicht so unrecht, zumindest in mentaler oder spiritueller Hinsicht. Von einem inneren Ausgetrocknet-Sein, vom Hunger nach Erfahrung und Freiheit künden zumindest die Leben jener Personen, die im Dokumentarfilm \"Hippie Masala\" von einem ebenso zärtlichen wie humorvollen Kamerablick begleitet werden. Etwa der gekrümmte und wie verdörrt wirkende Körper des Asketen Cesare, der sein Herkunftsland Italien in der Hippieära verließ und dann eher zufällig einfach in Indien geblieben ist. Beinahe alle ProtagonistInnen erzählen identische Geschichten von einer wilden Jugend, von Problemen mit Autoritäten, die deshalb abhandengekommenen sind - illegale Migration mal andersrum.
Sie erzählen die Geschichte einer Flucht, die wohl auch im Dschungel, in ärmlichen Dörfern und in einer malerischen Landschaft nur oberflächlich besehen ein Ende findet. Denn dass sie im Land ihrer Träume niemals wirklich ankommen können, ist allen bewusst. Und so ziehen sie sich in ihre jeweiligen Reservate zurück: in Kunst und Kleinfamilie, in die Askese oder auch in die Rekonstruktion ihrer Heimat. Wunderbar grotesk, dem Schweizer Hanspeter dabei zuzusehen, wie er so bekifft wie ungeschickt an seinem Bergbauernidyll samt protzigem Eigenheim und verbotenen Jagdausflügen baut - und wie seine indische Frau umgekehrt von ihrem Lebenstraum erzählt: weit weg von hier allein sein.
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