
Yella
D 2007
[R: Christian Petzold; D: Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann; 13.09.]
16.08.2007, 18:07, Text:
Tim Stüttgen
Der Berliner Filmemacher Christian Petzold ist den meisten VertreterInnen des deutschen zeitgenössischen Kinos gleich mehrere Schritte voraus: Bei ihm sind Film-Genres keine leeren Zitate, sondern glaubhaft belebte Erzählformen. Sujets des Kriminalfilms, des Familienmelodrams oder gar des Mystery-Thrillers verpflanzt Petzold in eine deutsche Realität, die spezifisch ist und sich nicht an großen generellen Themen, dafür an genauen Figuren und wirklichen Räumen versucht. Auf diese Weise entstand eine der wenigen Autoren-Handschriften, deren Schwung man in diesem Land noch gerne folgt - und das jetzt schon über sieben Filme hinweg, zu denen die kleinen Geniestreiche \"Die innere Sicherheit\" (2001) und \"Gespenster\" (2005) gehören.
Petzolds Arbeiten sind geprägt von reduzierter Ruhe und einem reflektierten Realismus, der Magie in den getriebenen Figuren der neodeutschen Republik sucht, wenn sie probieren, ihren Platz in zerbröckelnden Gesellschaftsgefügen zu finden. Frauenfiguren gehören zu seinen stärksten Charakteren - so ist es auch bei der Ostdeutschen Yella, die von einer der großen Petzold-Schauspielerinnen, Nina Hoss, gespielt wird.
Yella will weg - aus dem Neverland-Dorf Wittenberge, von ihrem anhänglichen Ex-Mann Ben und ihrem hemdsärmelig-liebevollen Vater. Im Westen erhofft sie sich Unabhängigkeit. Doch der Ballast ihres bisherigen Lebens verfolgt sie. Die Firma in Hannover, bei der sie als Buchhalterin auf Probezeit arbeiten soll, ist schon insolvent, als sie ankommt. Glücklicherweise trifft sie Philipp (Devid Striesow), einen Investment-Typen, der um Anteile von Firmen feilscht. Kurz werden die beiden ein Paar, eine Art Bonnie und Clyde des Neoliberalismus. Virtuos ziehen sie bei Meetings die Geschäftspartner über den Tisch. Solche kleinen Thrills kicken Yella und überzeugen sie von dem pragmatischen Philipp. Aber funktioniert das neue, bessere Leben so einfach? Macht es glücklich? Natürlich nicht. Petzold schafft es, dem neuen Markt der immateriellen Anteile konkrete Bilder - und seiner Heldin eine faszinierende Innenwelt darin aufzubauen. Aber wie unangenehme Echos der Vergangenheit Yellas Lebensentwurf bedrohen und schließlich versenken, wie der Traum zerplatzt, lässt sich zwischen unwirklicher Mystery und postrealistischer Erzählung kaum genauer beschreiben.
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