David Mackenzie / Hallam Foe

Glücklich wie ein Korkenzieher

22.08.2007, 10:00, Text: Wolfgang Frömberg, Foto: Elke Meitzel

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David Mackenzie debütierte 2002 mit \\"The Last Great Wilderness\\". Der Durchbruch als Regisseur gelang ihm kurz darauf mit \\"Young Adam\\" und einer Wasserleiche. Wasser taucht auch in seinem neuen Film \\"Hallam Foe\\" auf. Hallam, der andere Menschen beobachtet, weil deren Wirklichkeit ihm fremd erscheint, wird gespielt von Jamie Bell (\\"Billy Elliot\\"). Er trauert um seine Mutter, mit deren Doppelgängerin er in Edinburgh eine reale Affäre beginnt. Was lauert unter der Oberfläche? Ein Gespräch mit David Mackenzie über die Geister, die ihn rufen.

Woher kommt eigentlich deine Obsession für Flüsse und Seen und die Rätsel, die unter ihrer Oberfläche verborgen liegen?
Da spielst du nicht nur auf \\"Hallam Foe\\", sondern auch auf \\"Young Adam\\" an, wo es einiges unter der Oberfläche zu entdecken gibt und die Metapher sehr stark ausgeprägt ist. In der Tat scheinen Gewässer in meinem Werk ein Eigenleben zu entwickeln. Aber das ist bloß Zufall. Keine Ahnung, warum ich mich in diesen Projekten wiederfinde, in denen Wasser und Dinge, die daraus auftauchen oder darin untergehen, wichtig sind. Ich bin nicht gerade ein besonders guter Schwimmer, vielleicht ist das ein Grund ... Andererseits: Mein Vater war in der Navy, also hatte ich gewissermaßen eine ganze Zeit meines Lebens Wasser um mich herum. Ich habe keine Angst davor, möchte aber auch nicht gerade aufs offene Meer hinaus schwimmen. Nun ja, wir kommen alle daher - Wasser ist ein starkes Bild. Aber ich bin nicht darauf aus, in der Art von John Boorman die Wasserthematik zu entfalten.
Wann hast du mit der Arbeit an \\"Hallam Foe\\" begonnen?
Vor drei oder vier Jahren. Das Buch wurde von Peter Jinks geschrieben. Peter ist ein Freund von mir. Mit der Geschichte bin ich bestens vertraut. Die kannte ich schon, bevor sie aufgeschrieben wurde. Und ich war von Anfang an sehr interessiert daran.
Ich wollte schon fragen, wie du an die Romane gerätst, die du dann verfilmst. \\"Young Adam\\" fußte auf der Vorlage des schottischen Beat-Autors Alexander Trocchi.
Ja, in diesem Fall war es einfach. Normalerweise ist es schwierig, einen passenden Roman zu finden. Es scheint so, dass die Rechte für alle guten Bücher bei Hollywood-Studios liegen.


Was hat dich an Peter Jinks' Romanvorlage interessiert?
Vor allem die Hauptfigur. Ich mochte die Vorstellung eines leidgeplagten 17-Jährigen, der sich durch einen Haufen Probleme kämpft. Ich wollte eine Story, die ihn quasi rehabilitiert.
Der Soundtrack ist ja gespickt mit Songs von Domino-Bands, vielleicht kam mir deshalb ein Song von Smog in den Sinn ...
Ah! Leider durfte ich die amerikanischen Domino-Bands nicht einsetzen. Da gibt es eine Menge weiterer Acts, die auch im Soundtrack auftauchen könnten, hätte ich diesbezüglich freie Hand gehabt. Trotzdem bin ich sehr glücklich mit der jetzigen Auswahl, auch wenn Bonnie \\"Prince\\" Billy oder auch Smog sich ebenfalls gut im Film gemacht hätten ...
Es gibt eine hintergründige Zeile von Smog, die lautet: \\"I want to be of use / Like a horseshoe / Like a corkscrew.\\" So scheint sich Hallam zu Beginn des Films zu fühlen. Doch er entscheidet sich zunächst, ein Nichtsnutz zu bleiben. Er möchte weiter zu Hause wohnen, um seinen Vater und seine Stiefmutter zu quälen, die er für den Tod seiner leiblichen Mutter verantwortlich macht...
Hallams Perspektive auf die \\"böse Stiefmutter\\" ist märchenhaft. Sie selbst sieht das ganz anders, möchte Vater und Sohn über deren Trauer hinweghelfen. Hallam verteidigt das Andenken seiner Mutter. Das ist sein Kampf. Er möchte der Toten die Treue halten. Ich sehe es so, dass der Film vor allem davon handelt, sich von dieser Umklammerung zu lösen.
Für \\"Young Adam\\" komponierte David Byrne den Score. Diesmal setzt du die Songs ein wie auf einem Mixtape. Ich musste an Sofia Coppolas \\"Marie Antoinette\\" denken, wo der Soundtrack aus dem Mädchenzimmer die Vorstellung vom Leben als Prinzessin illustriert und dem Genre des Historienfilms eine neue Dimension hinzufügt.
Da Hallam im gesamten Film fast nie beim Musikhören zu sehen ist, habe ich mir immer vorgestellt, dass der Soundtrack aus den Songs besteht, die er hören würde. \\"Marie Antoinette\\" habe ich leider noch gar nicht gesehen ...

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