
Still Life
CN/HK 2006
16.07.2007, 06:00, Text:
Olaf Möller
Der Ort Fengjie fällt dem Bau des Drei-Schluchten-Damms zum Opfer. Das Wasser steigt, die Menschen werden genötigt, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen, obwohl die Ersatzbauten zum Teil noch nicht fertig sind. Fengjie steht heute für die Ersetzbarkeit von Utopien. Die Wege zweier Paare treffen sich dort. Sanming ist Minenarbeiter. Er reist nach Fengjie, um seine frühere Frau, die er seit 16 Jahren nicht mehr gesehen hat, wieder zu treffen. Die Krankenschwester Hong kommt, um ihren Gatten zu sehen, der seit zwei Jahren nicht mehr bei ihr war. Die einen entschließen sich erneut zur Heirat, die anderen, Hong und ihr Noch-Ehemann, werden sich scheiden lassen.
Eigentlich ist Zhang Ke Jias \\"Still Life\\" nur die spätere Hälfte eines halb dem Zufall geschuldeten, halb von Empathie getriebenen Doppelprojekts. Der Ausgangspunkt, \\"East\\", ist eine Dokumentation über den großen Realisten Liu Xiaodong und seine Serie großformatiger Gemälde, für die er u. a. in Fengjie Arbeiter porträtierte. Regisseur Zhang Ke Jia entdeckte in der Geschichte dieser verschwindenden Stadt ein Leitmotiv der chinesischen Moderne: Veränderung um jeden Preis.
Der Schlüssel zu seiner steilen Poesie ist eine Szene, in der die Ruine eines Hauses, das mal ein Symbol für die Fortschrittlichkeit des Landes sein sollte, als Weltraumrakete abhebt. Der Traum bleibt, kein digitaler Tinnef kann ihm seine Würde nehmen - und auch nicht den Menschen, die ihn wahrzunehmen verstehen. Mit \\"Still Life\\" kommt ein Film von einem der bedeutendsten jüngeren Regisseure aus der VR China in deutsche Kinos.
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