Gucha

SRB/BG/A/D 2006

[R: Dusan Milic; D: Marko Markovic, Alexandra Manasijevic, Mladen Nelevic; 23.08.]

16.07.2007, 06:00, Text: Katja Garmasch

Als 1995 zum ersten Mal die satten Blechbläser Boban Markovics aus Emir Kusturicas \\"Underground\\" durch die europäischen Kinosäle hallten, schmückte Balkanmusik - wenn überhaupt - höchstens die Plattensammlung eines Weltmusikfans. Heute ist sie längst zu einem clubtauglichen Phänomen mutiert: Kaum eine Stadt, die nicht eine Balkanclubnacht vorzuweisen hat, was u. a. westlichen Produzenten wie Shantel zu verdanken ist, der auf seinen Beutezügen durch südslawische Regionen Musiktraditionen aufgreift, um die Pauken und Trompeten mit Dancefloor-gerechten Beats zu würzen und sich als Kulturvermittler in Szene zu setzen.

Während bei Kusturica die Musik über charmante Nebenschauplätze des Erzählstrangs zu Ruhm gelangte, rückt sie in \\"Gucha\\" selbst in den Mittelpunkt. Guèa ist der Name eines Dorfs in Serbien, wo alljährlich das größte Blasmusikfestival der Welt stattfindet. Mehrere Blaskapellen wetteifern vor rund 600.000 Besuchern um die \\"Goldene Trompete\\". Regisseur Dusan Milic setzt auf eine Bollywood-artige Lovestory: Satchmo (Mladen Nelevic), ein berühmter Trompeten-Virtuose, hat Sorgen. Seine Tochter Juliana (Alexandra Manasijevic) ist in Romeo (Marko Markovic), einen Zigeuner-Jungen, verliebt.


Der spielt zu allem Übel in einer konkurrierenden Roma-Kapelle. Weil Satchmo nicht als Rassist gelten möchte, muss er die Beziehung akzeptieren, allerdings nur unter der Bedingung, dass Romeo ihn beim Brass-Band-Wettbewerb schlägt. In einer opulenten Schlusssequenz trifft die \\"weiße\\" traditionelle Musik Serbiens auf die \\"schwarzen\\" morbiden Roma-Klänge, in denen sich immer schon unterschiedliche folkloristische Hintergründe mit moderner Musik vermengten.

Als Gegengift zur gefälligen Befriedigung des gängigen Balkan-Exotismus' bietet \\"Gucha\\" Eklektizismus pur: Bollywood trifft auf Shakespeare. Eingeschliffene Balkan-Klischees wie üppig gedeckte Tische und bunte Folklorehemden prallen auf prekäre Normalität zwischen Nationalismus und Verwestlichung. Auch wenn \\"Gucha\\" in seiner Leichtigkeit und lakonischen Manier an Kusturicas \\"Schwarze Katze, weißer Kater\\" erinnern mag und Lebensfreude, Roma-Trash und ländliche Naivität zelebriert, so begegnet er der westlichen Sehnsucht nach Exotik doch mit augenzwinkernden Details. Übrigens gibt es im Vorfeld des Kinostarts in verschiedenen Städten \\"Gucha\\"-Partys mit kurzen Film-Previews, siehe dazu die Terminseite.



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