
Am Ende kommen Touristen
D 2007
[R: Robert Thalheim; D: Alexander Fehling, Ryszard Ronczewski; 16.08.]
16.07.2007, 06:00, Text:
Martin Riemann
So hat sich Sven (Alexander Fehling) den Zivildienst wohl nicht vorgestellt: Statt in einer Jugendherberge in Amsterdam muss er in der Gedenkstätte von Auschwitz seine neue Stelle antreten. Dort soll er sich um den mürrischen Krzeminski (Ryszard Ronczewski) kümmern, einen Überlebenden des Vernichtungslagers, der wie ein Museumsstück herumgereicht wird. Dem leicht unbeholfenen Deutschen fällt es zunächst schwer, einen Sinn in der ihm zugeteilten Arbeit zu finden. Nicht nur sein Schützling behandelt ihn recht schroff, auch die Gleichaltrigen in der nahe gelegenen Stadt Oswiecim distanzieren sich mit verächtlichem Spott. Allerdings ist er selbst auch zu stoffelig, um die Kommunikation angenehmer zu gestalten.
Dann verliebt er sich in die Dolmetscherin Ania (Barbara Wysocka). Die junge Polin scheut die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ebenso wie die Vorstandsmitglieder einer nahe gelegenen deutschen Chemiefirma. Svens emotionale Teilnahmslosigkeit am Schicksal Krzeminskis erfährt jedoch eine krasse Wendung: Als er miterleben muss, wie der alte Mann durch leere Phrasen des Bedauerns regelrecht mundtot gemacht wird, sieht er sich gezwungen, eine undankbare Position zu beziehen.
\\"Netto\\"-Regisseur Robert Thalheim gelingt durch den Verzicht auf große Gesten eine angemessener erscheinende Auseinandersetzung mit dem Genozid als so manchem Breitwandepos. Er zeigt, dass die kanonisierten Betroffenheitsfloskeln, die das Thema grundsätzlich begleiten, eine emphatische Auseinandersetzung mit den Opfern blockieren. Dem gegenüber stellt Thalheim ein rein menschliches Verantwortungsgefühl, das Sven dazu bringt, seine Aufgabe ernst zu nehmen. Der hölzerne Inszenierungsstil verleiht dem Film im besten Fall einen dokumentarischen Charakter, rechtfertigt allerdings eher eine Ausstrahlung im Fernsehen. Problematisch ist zudem die Besetzung der Hauptrolle: Alexander Fehling ist sicherlich ein guter Schauspieler, er wirkt jedoch viel zu erwachsen, um die Rolle des unbedarften Zivis glaubhaft verkörpern zu können. Sein Verhalten gegenüber Krzeminski, das man als jugendliche Unsicherheit verzeihen würde, wirkt bei ihm schlicht unsympathisch und erschwert den Zugang zur Hauptfigur. Trotzdem offenbart der Film einen sensiblen Blick auf gegenwärtige Geschichte, von der viele Deutsche lieber nichts wissen wollen.
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