Lichter der Vorstadt

FIN/D 2006

[R: Aki Kaurismäki; D: Janne Hyytiäinen, Maria Heiskanen; Pandora]

16.07.2007, 06:00, Text: Katja Garmasch

\\"Tristesse\\", \\"Hoffnungslosigkeit\\" und \\"Einsamkeit\\". Diese drei Wörter fehlen nie, wenn man über Filme von Aki Kaurismäki spricht. Mit steigendem Alter ist der Finne mehr denn je davon überzeugt: Der Kapitalismus macht die Menschen nicht glücklich - zumindest nicht die ehrlichen. Und so darf man nach \\"Wolken ziehen vorüber\\" und \\"Der Mann ohne Vergangenheit\\" auch in \\"Lichter der Vorstadt\\", dem dritten Teil seiner \\"Verlierer\\"-Trilogie, einem sogenannten kleinen Mann beim ewigen Scheitern zusehen. Koistinen (Janne Hyytiäinen) arbeitet als Wachmann in einer Mall in einem Randbezirk Helsinkis. Freude empfindet er nicht. Von seinen Kollegen wird er verspottet, von Fremden gedemütigt. Sein Lebensinhalt: essen, schlafen und rauchen.


Als eine geheimnisvolle Frau auftaucht und ihn zu lieben vorgibt, glaubt er - \\"treu wie ein Hund, ein sentimentaler Narr\\" -, sein Glück gefunden zu haben. Selbst als Koistinen erfährt, dass Mirja (Maria Heiskanen) ihn für kriminelle Machenschaften benutzt, bleibt er loyal und geht für sie in den Knast. Auch nach zwei Jahren Haft scheint sein morbider Optimismus ungebrochen. Obwohl Koistinen von Anfang an nichts zu verlieren hat, verliert er doch auf der ganzen Linie: Es geht immer noch schlimmer, jeder aufflimmernde Hoffnungsschimmer erlischt in der Dunkelheit der nächtlichen Beton-Vorstadt.

In satten Ölfarben getränkte Depression trieft aus den sorgfältig inszenierten Bildern, die es in ihrer Ästhetik spielend mit Edward Hoppers Gemälden aufnehmen könnten. Nur die emotionslosen knappen Dialoge streuen ab und zu eine Prise des trockenen Kaurismäki-Humors in die scheinbar grenzenlose Melancholie. Wer aber nun denkt, den abgrundtiefen Abfuck genügend aus dem eigenen Leben zu kennen, dem sei \\"Lichter der Vorstadt\\" trotzdem ans Herz gelegt: Nicht, weil man beim Zuschauen gemütlich das eigene Scheitern relativieren kann, sondern weil man von Kaurismäki einmal mehr klar vor Augen geführt bekommt, dass in dieser kalten Welt, in der Gefühle höchstens zur emotionalen Erpressung benutzt werden, vor allem die besseren Menschen scheitern.



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