
The Fountain
USA 2006
[R: Darren Aronofsky; D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn; Kinowelt]
16.08.2007, 17:00, Text:
Sascha Seiler,
arno raffeiner
Pro & Contra mit Raffeiner & Seiler
Gefangen in einer Blase, die außerhalb aller raumzeitlichen Dimensionen durch ein ästhetisches Nirwana schwebt: Darren Aronofsky liefert das passende Bild für die Beschreibung seines monumentalen Mythen-Quatschs \\"The Fountain\\" praktischerweise gleich mit. Der Mann, der da draußen allein mit seinem Schmerz und einem sterbenden Baum durchs All schwebt, ist nicht mehr zu retten - und mit ihm der ganze Film. Wie aufgeblasen und verklausuliert Aronofsky mehrere Handlungsebenen vom 16. Jahrhundert bis in die ferne Zukunft ineinanderblendet, wie er Literatur, Wissenschaft, Philosophie und Religion zu einer ebenso düsteren wie zähen Bildermasse verquirlt, nur um zu sagen, dass da ein armer Mann (Hugh Jackman als Conquistador, Krebsforscher und Schamane) Angst vor dem Tod seiner Frau (Rachel Weisz als unheilbar kranke Prinzessin und Poetin) hat, das grenzt an Größenwahn. Und leider auch an fatale Selbstüberschätzung. Denn obwohl der Regisseur und Drehbuchautor Jahre manischer Arbeit und ein kaum vorstellbares Brimborium an Symbolen und Bildideen in \\"The Fountain\\" gesteckt hat, furzt am Ende nur ein bisschen warme Luft aus der Quelle der Erkenntnis. Insofern ist die vorliegende DVD vielleicht als Dokument einer Besessenheit interessant, als Protokoll einer filmischen Verirrung. Vielleicht taugt das ja eines fernen Tages zum Kultstatus in irgendeiner verlorenen Cineasten-Blase. Für alle anderen gilt: Wer sich diesen Myth'n'Mist-Overkill freiwillig reinziehen will und am Ende auch noch nach über einer Stunde DVD-Extras giert, dem sei \\"The Fountain\\" wärmstens empfohlen.
- Arno Raffeiner -
Als \\"The Fountain\\" Anfang dieses Jahres ins Kino kam, galt der Film als großes, kaum zu entschlüsselndes Rätsel. Dies rief, oberflächlich betrachtet, Parallelen zum anderen großen Rätselfilm des Jahres, David Lynchs \\"Inland Empire\\", auf den Plan. Doch anders als Lynchs Digicam-Kryptogramm, das allerorten - zu Recht - als große Kunst gefeiert wurde, hinterließ Aronofskys Meditation über Leben und Tod eher ratlose, vor allem aber enttäuschte Gesichter. Teilweise verständlich. Irgendwie hatten sich die Zuschauer von Lynchs zirkularem Zeitbegriff ja nichts anderes erhofft als ein nicht betretbares Labyrinth; bei Aronofsky war die Erwartungshaltung eine andere. Sowohl \\"Pi\\" als auch \\"Requiem For A Dream\\", beide mittlerweile Klassiker des Independent-Kinos der 90er-Jahre, waren ebenfalls kryptische, bildgewaltige Rätsel, die sich aber selbst genügten und den Zuschauer nicht vor universalen philosophischen Fragestellungen kapitulieren ließen. Dennoch muss man, gerade auch mit der Möglichkeit, diesen Film jetzt auf DVD zu genießen, konstatieren, dass die negative Rezeption nicht ganz fair war.
Aronofsky erzählt drei Geschichten, die den Zeitraum von 1000 Jahren umspannen. Eine spielt in der Vergangenheit, wo ein Mitglied des Stamms der Maya nach dem Baum des Lebens sucht, um seine gefangene Königin zu befreien. In der Gegenwart sucht ein Mediziner anhand von Baumextrakten eine Medizin für seine sterbende Frau. In der Zukunft schließlich versucht ein Astronaut, der mit einem Baum in einer Kapsel reist, sich einem sterbenden Stern zu nähern, um die ewige Liebe zu finden. Nacheinander erzählt, würde hier vielleicht wenigstens noch der \\"Solaris\\"-Effekt eintreten, doch Aronofsky überlagert seine Geschichten und lässt die Figuren auch noch von den gleichen Schauspielern spielen. Dies deutet dem Zuschauer die Richtung: die Negation linearer Zeit, ja, die Negation von Geschichte als konstituierendem Element und die Bestätigung eines zirkularen Systems, das von zwei Pfeilern getragen wird: Liebe und Leben. Manchmal ist die Suche von Erfolg gekrönt, manchmal nicht, aber es ist eine ewige Suche, die natürlich an Kurt Vonneguts Tralfamadorianer und deren zirkulares Zeitkonzept denken lässt. Und an Borges. Und an Kafka. Ein Film, der dringend neu bewertet werden muss.
- Sascha Seiler -
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