Unholy Women

J 2007

[R: Keita Amemiya, Takuji Suzuki, Keisuke Toyoshima; Rapid Eye Movies]

16.07.2007, 06:00, Text: Birgit Binder

\\\\"Unholy Women\\\\" versammelt drei Kurzspielfilme von drei Regisseuren des J-Horror: Alle Beiträge warten mit Reminiszenzen an Formen der \\\\"klassischen\\\\" Gespensterfigur auf, die in zahlreichen Stücken des Kabuki-Theaters auch heute noch Zuschauer begeistern. Dieses Publikum mag hauptsächlich aus Pensionären und einigen Japanwissenschaftlern bestehen. Sei's drum, solange die Gespenster im Kino weiterhin erfolgreich ihr Unwesen treiben.

Der Beitrag des jüngsten Regisseurs Keisuke Toyoshima ist die Geschichte eines kindsmordenden Geistes, der die frisch geschiedene Frau Ishikawa heimsucht, nachdem sie zusammen mit ihrem Sohn aus Tokio in ihr Elternhaus aufs Land zurückgekehrt ist. Auf der diesjährigen \\\\"Nippon Connection\\\\" war Toyoshima mit einer Episode in \\\\"Ten Nights Of Dreams\\\\" vertreten.


Mit dem lautmalerischen Titel \\\\"Kata Kata\\\\", \\\\"Das Klappern\\\\", überschreibt Game-Character-Designer und Regisseur Keita Amemiya seine Gespensterepisode, deren clevere Handlungsstruktur à la Möbiusband zum Noch-mal-Schauen einlädt. Die Buchhalterin Kanako wird auf dem Heimweg von einem Ladygeist in Red verfolgt - als dieser auf die durchaus berechtigte Frage von Kanako, wer er denn sei, antwortet, er sei ein Monster, lässt sich das als Erwiderung auf eine grundsätzliche Frage verstehen. Die Antwort des Geistes dürfte uns daran erinnern, dass es kaum Sinn macht, im Moment der Todesbedrohung auf eine geschmeidige Antwort eines Monsters zu hoffen, und dass Menschen ohne erkennbaren kausalen Zusammenhang, von einem triftigen Grund ganz zu schweigen, mit destruktiven Kräften zu kämpfen haben. Wie wundervoll, wenn uns diese dunklen Mächte in solch kompakter Gespenstergestalt gegenübertreten!

Unbedingt gesehen haben muss man die zweite Episode von Takuji Suzuki, die den schüchternen Automechaniker Siyuchi bei einem ersten Date mit der Tochter des Chefs begleitet. Skeptisch-zurückhaltend begegnet dieser einem zweibeinigen Sack namens Hagane (dt. Stahl), der sich erotisch pointiert zu artikulieren weiß: \\\\"Motto\\\\" schreibt Hagane mit Blut neben das Bett: Mehr!
Bleibt anzumerken, dass das Adjektiv kowai im japanischen Titel dieses Omnibusfilms vieldeutig gelesen werden kann, als \\\\"schrecklich\\\\" oder \\\\"Furcht einflößend\\\\", aber auch als \\\\"hart\\\\" oder \\\\"stark\\\\" - geschlechterübergreifend wohl eine weniger gespenstische Auslegungssache.



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