Nightmare Detective

J 2007

[R: Shinya Tsukamoto; D: Ryuhei Matsuda, Hitomi, Masanobu Ano; Sunfilm]

16.07.2007, 06:00, Text: Lars Brinkmann

Filmemacher Shinya Tsukamoto ist als Ikonoklast bekannt - mit seinem visionären \\"Tetsuo\\" a.k.a. \\"The Ironman\\" und dem ca. 10.000 Mal teureren Nachfolger \\"Tetsuo II: Body Hammer\\" konnte er sich gleich doppelt in die bewegte Frühgeschichte des J-Horrors einschreiben. Noch heute gilt der s/w gefilmte Erstling als eine der seltsamsten Fetisch-Geschichten jenseits der O - selbst im spektakulären Nachfolger wurden die rasselnde Eleganz und süße erotische Qual der Mensch/Maschinen-Transformation nicht so spektakulär und wirr in Szene gesetzt.

Als Inspiration dürften die Einstürzenden Neubauten, ihre Japan-Tour zu \\"Halber Mensch\\" und der gleichnamige, zwischen Doku, Horror und Drama wechselnde Film von Sogo Ishii gedient haben (auch deutlich am Soundtrack der japanischen Band Der Eisenrost zu hören). Fortan stellte Tsukamoto sein Können mit mehreren bildgewaltigen Genre-Hybriden wie \\"Tokyo Fist\\", \\"Bullet Ballet\\" und \\"Vital\\" unter Beweis, zeigte seine schauspielerischen Fähigkeiten u. a. als Hypnotiseur in Takashi Miikes legendärer Manga-Verfilmung \\"Itchi The Killer\\" und werkelte, wie in Japan üblich, an diversen Auftragsarbeiten.


\\"Nightmare Detective\\" wurde 2006 im Rahmen des Filmfest in Rom uraufgeführt, in Japan jedoch erst Anfang des Jahres veröffentlicht. Wie in den guten alten Tagen zeichnet Tsukamoto sowohl für die Kamera als auch für das Drehbuch und die Regie verantwortlich, zudem spielt er auch noch die Rolle des unheimlichen \\"0\\" (Null). Die Zeichen standen also auf Sturm, auf Bildersturm - und tatsächlich sind es dann auch die Bilder, mit denen Tsukamoto punktet. Der Rest bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Der Titel ist wörtlich zu verstehen, der Film handelt von einem Albtraum-Detektiv, mehreren vermeintlichen Selbstmorden und einer Form des Handy-Horrors, gegen die das iPhone-Marketinggewitter wie eine Knallerbse wirkt.

Es wird in blutigen Fontänen gestorben, die Stadt ist ihr eigener Friedhof, und selbst das im J-Horror obligatorische, strähnig ins Gesicht hängende Haargespinst darf nicht fehlen. Dafür fehlen überraschende Wendungen - bis zum Ende bleibt die Geschichte nicht nur für Otakus in jedem Augenblick vorhersehbar, zudem wirken die Charaktere entsetzlich platt, selbst das Schicksal der ganz sympathischen Polizistin (J-Pop-Star Hitomi) bleibt uns am Ende ziemlich egal. Ein Sequel ist dennoch in Arbeit. Warum auch immer.



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