Andreas Rauscher

Simpsons-Diskurs in Buchform

18.06.2007, 06:00, Text: Felix Scharlau

\\\"Subversion zur Prime Time\\\" nanntet ihr euer \\\"Simpsons\\\"-Buch. Genießen die \\\"Simpsons\\\" deiner Meinung nach 2007 noch das gleiche subversive Potenzial wie früher?
Das subversive Potenzial zeigt sich von Zeit zu Zeit immer noch, wie beispielsweise in der neulich als Jubiläumsfolge ausgestrahlten 400. Episode, in der die rechten Machenschaften der Fox News pointiert attackiert werden. Die Erkenntnisse, die Lisa kurz vor dem Abspann über den Sender, bei dem die \\\"Simpsons\\\" selbst ausgestrahlt werden, mitteilen will, werden durch penetrant eingeblendete Fox-Werbe-Jingles zensiert, und eine kurze Hommage an George Clooneys \\\"Good Night And Good Luck\\\" findet sich ebenfalls in der Folge. In den letzten Jahren gab es zwar auch einige Einbrüche bis hin zu dem Punkt, an dem die weitgehend unterschätzte Groening-Serie \\\"Futurama\\\" interessanter und pointierter als die \\\"Simpsons\\\" ausfiel, mittlerweile hat sich die Serie jedoch deutlich verbessert. Anstelle von hysterischem Cartoon-Slapstick konzentriert man sich wieder auf alte Stärken wie spielfreudige Genreparodien und überlegte Politsatire.


Welchen Einfluss hatte das Aufkommen von noch drastischeren Cartoonserien wie \\\"South Park\\\", \\\"American Dad\\\" oder \\\"Family Guy\\\" für die Provokateursrolle der \\\"Simpsons\\\"?
Während ihrer Hochphase in den 90er-Jahren versuchten die \\\"Simpsons\\\" gar nicht mehr so bewusst die Provokateursrolle einzunehmen, sondern arbeiteten mit geschickt platzierten Anspielungen. Diese fielen, wenn man sie sich genauer betrachtete, noch heftiger aus als die meisten oberflächlichen Schocktaktiken. \\\"South Park\\\" verfolgt, indem sich die Perspektive ganz auf eine White-Trash-Kleinstadt in Colorado konzentriert, eine andere Strategie als die im Personal weiter gefächerten \\\"Simpsons\\\". Die beiden Serien kommentieren sich inzwischen nicht nur gegenseitig, sie ergänzen sich auch als unterschiedliche satirische Ansätze, die jeweils ihren eigenen Reiz haben. Lediglich, als die \\\"Simpsons\\\" für einige Staffeln versuchten, den Stil ihrer Nachfolger zu imitieren, wirkte das Ergebnis zu bemüht und langweilig.
Stimmt es, dass es mit der Erstauflage eures \\\"Simpsons\\\"-Buchs Probleme mit dem Fox-Konzern gab?
Die gab es wegen des Cover-Fotos und einiger Bilder in der ersten Auflage. Einige für Fox tätige Anwälte wollten den Verlag wegen vermeintlicher Verletzung des Markenrechts anzeigen. Sie interessierten sich nicht weiter dafür, dass es sich um einen kulturwissenschaftlich-filmhistorischen Reader zur Serie handelte und dass die Verwechslungsgefahr mit einem offiziellen Fan-Buch ausgesprochen gering war. Glücklicherweise gab es umfangreiche Proteste und Berichte über den Fall in den Medien, sodass sich Fox verhandlungsbereit zeigte. Für die zweite Auflage wurden die umstrittenen Abbildungen entfernt und der Titel um einen Zusatz erweitert, damit niemand auf die Idee kommt, es könnte sich um ein offizielles \\\"Simpsons\\\"-Produkt handeln. Einige Jahre später erfuhr ich, dass Matt Groening, der neben Fox von den Anwälten vertreten wurde, offensichtlich von der ganzen Affäre gar nichts mitbekommen hatte.

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aus Intro #151 (Juli 2007)
 
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