Tribute

Takashi Miike

18.06.2007, 06:00, Text: Olaf Möller

1995 debütierte der Regisseur auf der Kino-Leinwand, durchschnittlich interessierte Hiesige hätten den japanischen Meister beim Fantasy Filmfest mittels \\\\\"Fudoh: The New Generation\\\\\" 1996 für sich entdecken können. Zur Jahrtausendwende wurde Takashi Miike durch \\\\\"The Audition\\\\\" mit einem Schlag zu einem weltweiten Phänomen: Dank des Scheiß-der-Hund-drauf-Wagemutes dieser Literaturadaption als Slasher-Film bzw. als Female-Empowerment-Traktat hatte man das Gefühl, dass sich das Kino vielleicht ein weiteres Mal wieder(er)findet - als populäre Massenkunst, in der alles möglich ist, vor allem spannende Kurzschlüsse statt lasche Genrefizierung, durch die man den Film vorab verdaut, weil man ja weiß, was kommt.
Diesbezüglich gibt womöglich das 60-minütige Interview mit Miike selbst Aufschluss, das als Bonus-Material der \\\\\"The Audition Special Edition\\\\\" zu sehen ist, die dieser Tage via Rapid Eye Movies erscheint. Die Kölner bringen fast im selben Atemzug auch Miikes Drama \\\\\"Bing Bang, A Juvenile\\\\\" auf DVD heraus.


Nach dem \\\\\"Audition\\\\\"-Hype war Miike überall - mit immer neuen Filmen! Das macht die eine Hälfte seines Mythos' aus: die irrwitzige Produktivität. Miikes Pensum liegt bei etwa sechs bis sieben Filmen pro Jahr, Monsterproduktionen wie das Fantasy-Spektakel \\\\\"The Great Yokai War\\\\\" drücken schon mal den Schnitt. Ein langzüngiger Regenschirmdämon braucht halt mehr Zuwendung als ein gewöhnlicher Mime. Kleinmütige Geister glauben ja, es wäre besser, wenn er nicht so viele Filme machen würde, die dann aber sorgfältiger ... So, als würde man notwendigerweise schlampig arbeiten, wenn man zwölf verwendbare Minuten pro Tag schafft statt lächerliche vier. Diese Leute haben das Wesen des Kinos, überhaupt aller Schöpfung noch nicht verstanden. Man(n) verspritzt doch auch Tausende von Spermien und nicht nur zwei oder drei! Kunst lässt sich nicht wollen, nur schaffen.
Die restliche Mythos-Hälfte besorgt dann Miikes Sinn fürs Extreme. Bei ihm bekommt man Dinge zu sehen, die man so noch nicht gesehen hat. Das führte dazu, dass man seine melancholischen Filme über die Jugend, ihr Vergehen (z. B. \\\\\"Sabu\\\\\") oft übersieht. Und leider haben die Kleinbürger Miike zu einem Schreckgespenst, die Genre-Heloten hingegen zu einem Gore-Gott erklärt - was sein Genie jeweils krass verfehlt. Noch schlimmer: Man hat sich an ihn gewöhnt. Unsere Kino-Unkultur kriegt halt alles klein.



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