Wir waren niemals hier

D 2005

[R: Antonia Ganz; D: Max Müller, Frank Behnke, Florian Koerner von Gustorf, Kerl Fieser, Tom Scheutzlich; Absolut Medien]

18.06.2007, 06:00, Text: Wolfgang Frömberg

Diese elende \"monster.de\" Traumjob-Kampagne soll offenbar dem prekarisierten Gesindel, das sich noch nicht von digitaler Boheme ernährt, eine dauerhafte Warnung sein. Zwar sind Johnny Thunders, Bartleby und Oblomow keine zeitgemäßen Helden mehr, doch wer letztlich die passende Tätigkeit findet, sieht bald genauso aus wie die Karrierezombies auf den Billboards. Was hat das mit dem wundervollen Film \"Wir waren niemals hier\" zu tun? Antonia Ganz' Doku über Mutter aus Berlin ist mehr als eine Hommage an eine im Mikrokosmos angesagte Band. Mutter haben es nie zu spektakulären Erfolgen gebracht, die über den Ruhm als bester Act beim Kölner \"Kraft der Negation\"-Kongress und den Mythos des am schlechtesten verkauften Spex-Titels aller Zeiten hinausgehen. Ganz' Annäherung kreist um Lebensmodelle, die nicht aus dem Nichts kommen (sondern im Fall der involvierten Müller-Brüder in Wolfsburg ihren Ursprung haben; und woher diese unsägliche Stadt kommt, erklärt Wolfgang Müller gleich mit) - aber möglicherweise zu nichts führen.


Im speziellen Fall haben sich vier bis fünf Nonkonformisten zu einem Sondermodell zusammengerauft, das eben kein Brand, sondern eine Band ist, die auch nach zwanzig Jahren noch vor zwanzig Leuten spielt, jedenfalls, solange es niemand vorschreibt, und tragischerweise um den 11. September 2001 herum eine Platte namens \"Europa Vs. Amerika\" veröffentlicht hat. Der Zerfall gründet auf Max Müller, Florian Koerner von Gustorf, Frank Behnke, Kerl Fieser und Tom Scheutzlich. Mutter besteht aus ihren getrennten Biografien und ihren gemeinsamen Erlebnissen. Der Meta- bzw. Kontext wird repräsentiert von Jochen Distelmeyer, Diedrich Diederichsen, Rocko Schamoni, Françoise Cactus und Jörg Buttgereit. Als persönlich Betroffene kommen auch Mama Müller, Don Hilsberg und die ehemalige Managerin zu Wort. Und wer schlussendlich nicht selbst betroffen ist, auch wenn er Mutter vorher nicht kannte, dem kann im Rahmen des Möglichen nicht geholfen werden.



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