Als das Meer verschwand

NZ 2004

[R: Brad McGann; D: Matthew Macfadyen, Miranda Otto, Emily Barclay; Capelight Pictures]

18.06.2007, 06:00, Text: Christian Meyer

\\"Als das Meer verschwand\\" ist das erstaunlich virtuose Debüt des Neuseeländers Brad McGann, eine Heimkehrerballade, die sich zum Teenagerdrama wandelt und am Ende ein melancholischer Thriller wird: Paul ist in seinen 30ern, als umtriebiger Kriegsfotograf aber schon gezeichnet vom Schrecken des Lebens. Als Teenager lief er nach dem Tod seiner Mutter von Zuhause fort, nun, 17 Jahre später, führt ihn der Tod des Vaters zurück in die kleine Heimatstadt. Aber weder sein Bruder Andrew noch seine Jugendliebe Jackie sind sonderlich begeistert, ihn wieder zu sehen. Nur mit Jackies revoltierender Tochter Celia freundet er sich an. Dichtend träumt sie ebenso wie er damals von der weiten Welt. Die Freundschaft wird von der Umwelt argwöhnisch beobachtet.


Als Celia spurlos verschwindet, gerät Paul in Verdacht. McGanns freie Romanadaption spielt versiert mit den Zeitebenen und hält so manch dramatische Wendung bereit, wirkt aber trotz allem nicht überkonstruiert. Das mag an der melancholischen Grundstimmung und der insgesamt beiläufig wirkenden Inszenierung liegen, die sich weder allzu sehr an Neuseelands Naturschönheiten ergötzt, obwohl die überall ins Bild tropfen, noch die dramatischen Ereignisse mit filmischem Suspense herauskitzelt. Auch die abgründigen Geheimnisse und emotionalen Eruptionen der Figuren dringen nur dumpf an die Oberfläche. Ein ruhiger Film der kaum sichtbaren, aber tief sitzenden Verletzungen. Und je weniger die Geschichte als Drama inszeniert ist, desto ungeheuerlicher wirkt sie.



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