
Tamala 2010 - A Punk Cat In Space
J 2003
[R: Trees Of Life; Rapid Eye Movies]
18.06.2007, 06:00, Text:
Birgit Binder
Zaibatsu, die global agierenden Firmenkonglomerate Japans, wurden formell bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg durch die amerikanische Besatzungsmacht in sog. Keiretsu umgewandelt. Einer ihrer prominentesten Vertreter, \\"Mitsui & Co.\\", existiert seit Jahrhunderten und wird auf der deutschen Internetpräsentation heute schlicht als universales Handelsunternehmen bezeichnet, weltweit aktiv in den Bereichen Chemie, Maschinen, Stahl, Lifestyle, Lebensmittel, Transport, Energie und Finanzen. In der Katzengalaxie des japanischen Experimental-Animes \\"Tamala 2010\\" vom fünfköpfigen Tokioter Künstlerkollektiv Trees Of Life ist \\"Catty & Co.\\" omnipräsent: \\"Catty Clothing\\", \\"Catty Food\\", \\"Catty Mashinery\\" und \\"Catty Amusement\\", selbst im All wird nicht auf Logo und Werbeauftritt via Flachbildschirm verzichtet. So weit, so Eighties-Cyberpunk.
Der vollständig am Rechner hergestellte Anime ist weder visuell noch inhaltlich ein Schmusekätzchen. Selbst einschlägige deutschsprachige Anime-Foren zeigten sich irritiert, aber begeistert. Warum auch sollten sich Anfang des 21. Jahrhunderts Wechsel von Farb- und Schwarz-Weiß-Sequenzen mit Zwei- und Dreidimensionalität verbieten? Aus Gründen der Konsumverdaulichkeit? Dann schauen Sie doch \\"Silver Moon\\" oder \\"Dragon Ball\\"!
Katzen sind diese niedlichen Tiere? Hello Kitty? Nichts da. Hauptfigur Tamala, das ewig wiederkehrende einjährige Kätzchen auf der Suche nach seiner Mutter, triezt Passantenkatzen und verzichtet selten auf ihren Charme in Form sprachlicher Nonchalance - durch ein hingetupftes \\"fuckin ...\\". Kater Michelangelo, den Tamala nach einem ihrer ersten Tode auf Planet Q kennenlernt, gibt sich unbeeindruckt. Wenn er nur wüsste, dieser schüchterne Eastwood-Nostalgikerkater .... Während auf den Straßen von Planet Q Hass und Gewalt toben, gehen die beiden zusammen ins Museum und in die Bibliothek, besuchen ein (Hass-) Konzert und picknicken mit Schallplattenspieler. Dass diese Romanze nicht von Dauer ist, kündigen ein Schäferhund-Polizist und ein Computerprogramm aus dem Hause \\"Catty & Co.\\" an. Auch wer sich vorstellen kann, einen Film ein zweites Mal ohne Ton während der Hausparty auf die Wand zu projizieren, wird \\"Tamala 2010\\" lieben - allerdings den guten Soundtrack verpassen! Nach Baudrillard: \\"The point is not to write the sociology or psychology of the car, the point is to drive.\\"
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