Cargo

E 2006

[R: Clive Gordon;D: Daniel Brühl, Peter Mullan, Luis Tosar; Legend Films]

18.06.2007, 06:00, Text: Oliver Minck

In die deutschen Kinos hat es diese Produktion nicht geschafft; und das, obwohl Daniel Brühl, der als populärster deutscher Jungschauspieler doch eigentlich für Kasse sorgen müsste, die Hauptrolle bekleidet. Zum DVD-Release des mit spanischen Geldern finanzierten Spielfilmdebüts des britischen Dokumentarfilmers Clive Gordon stellt sich unweigerlich die Frage: War der Film etwa zu schlecht für die große Leinwand? Oder gar imageschädigend für Brühl? “Cargo” beginnt turbulent: Der Rucksacktourist Chris (Daniel Brühl) legt sich auf einem überfüllten afrikanischen Markt mit der Polizei an. Zwar kann er fliehen, jedoch verliert er seinen Reisepass an die Polizisten. Um so schnell wie möglich in die Heimat zurückzukommen, schleicht er sich als blinder Passagier auf ein Frachtschiff, das nach Marseille auslaufen wird. Doch die Reise auf dem unheimlichen, rostigen alten Kahn wird für Chris zum Höllentrip.


Denn die Crew um Captain Brookes birgt ein dunkles Geheimnis. Nachdem Chris von der Besatzung entdeckt wird, entwickelt sich “Cargo” zum Mystery-Thriller: Offensichtlich gibt es noch andere blinde Passagiere an Bord. Doch die Besatzung, bestehend aus Psychopathen und allerlei schrägen Vögeln, verhält sich gegenüber Chris argwöhnisch und indifferent. Immer wieder gibt es Andeutungen und kleine Zeichen, die für Chris aber wenig Sinn ergeben. Als Zuschauer wird man bis zum letzten Drittel des Films im Ungewissen gehalten. Und Clive Gordon gelingt es auf weiter Strecke, die Spannung aufrechtzuerhalten. Er nutzt die Enge des Frachters zur Erzeugung klaustrophobischer Stimmungen: Die Frachträume wirken wie dunkle Labyrinthe, hinter jeder Kiste könnte sich das Unheil verbergen. Das hysterische Geschrei der exotischen Vögel, die das Schiff als Ladung trägt, sorgt zusätzlich für Herzflattern. Weshalb verabschieden sich immer wieder einzelne Matrosen über Bord in den Freitod? Wer so viel Spannung aufbaut, braucht eine grandiose Auflösung. Alles andere wäre ein leeres Versprechen. Innerhalb der letzten 15 Minuten wandelt sich “Cargo” vom formidablen Gruselfilm zum Polit-Film mit moralischer Rundumkeule. Bleibt die Frage: Wird Chris dem grausamen Captain mit einer heroischen Aktion die Augen öffnen – und dadurch zum tragischen Märtyrer?



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