
Robert Van Ackeren
Kommst du mit in den Alltag?
12.07.2007, 12:00, Text:
Dietmar Kammerer, Foto: Arne Sattler
Die Wirklichkeit dies- und jenseits der Schlafzimmertüren zeigte der Film \\\"Deutschland privat\\\" in den 80er-Jahren. Dem Regisseur ging es nicht einfach um einen neugierigen Blick durchs Schlüsselloch. Robert Van Ackeren nahm gefundenes Super-8-Material und konstruierte daraus den damaligen Status quo des alltäglichen und privatistischen Filmschaffens. Angesichts von YouTube und unzähliger Keller voller Filmmaterial im ganzen Land war es nun Zeit für eine abschließende Zeitreise. Dietmar Kammerer hat mit Robert Van Ackeren über den zweiten Teil seiner Super-8-Compilation gesprochen. Bye-bye, Kodachrome ...
Für Ihren Kompilationsfilm \\\"Deutschland privat - Im Land der bunten Träume\\\" haben Sie Amateurfilmer gebeten, ihre selbst gedrehten Werke einzusenden.
Seit mehr als 20 Jahren lege ich eine mittlerweile sehr umfangreiche Sammlung des Privatkinos an. In der professionellen Szene ist dieses Kino zu Unrecht völlig unterbewertet, obwohl es uns einen Blick auf unsere Wirklichkeit aus einer radikal subjektiven Perspektive gibt.
Man könnte sagen, dass Sie mit diesem Projekt etwas Ähnliches verfolgen wie ein Interviewer mit seinem Gesprächspartner. Sie wollen etwas über das Leben und die Wünsche dieser Leute erfahren.
Natürlich interessiert mich im Zusammenhang mit diesen Filmen alles, was für ihr Verständnis wichtig ist, die Geschichte ihrer Entstehung, die Hintergründe. Deshalb haben wir da, wo ein direkter Kontakt zu den Filmemachern möglich war, ausführliche Gespräche geführt.
Vor allem erfährt man etwas über den ästhetischen Eigensinn des Amateurfilms.
Das Super-8-Filmschaffen ist eine Art naives Kino. Die Amateure filmen das, was sie für filmenswert halten, in einer Weise, die in der Regel nicht durch professionelle und gestalterische Attitüden überformt ist.
Dennoch mühen sich viele durchaus an der herkömmlichen Filmsprache ab, mit wechselndem Erfolg.
Natürlich ist oft ein deutlicher gestalterischer Wille dahinter. Aber der bildet ja etwas anderes ab, als das im professionellen Kino der Fall ist. Im Grunde stellen diese Filme das unabhängigste Kino dar, das ich kenne. Darin liegt für mich sein Reiz, das führt zu diesen unverwechselbaren, teilweise auch bizarren oder pittoresken Resultaten.
\\\"Deutschland privat - Im Land der bunten Träume\\\" ist ein Nachfolgeprojekt. Bereits 1980 haben Sie einen ersten Teil von \\\"Deutschland privat\\\" vorgelegt. Was hat sich zwischen diesen beiden Teilen verändert?
Der erste Teil stellte eine Momentaufnahme des Privatkinos der 70er-Jahre dar. In Abgrenzung dazu ist die neue Zusammenstellung ein Filmalbum aus fünf Jahrzehnten. Eher eine Art Zeitreise in die Vergangenheit und vor allem in eine Filmform, die es heute nicht mehr gibt.
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