The Namesake

IND/USA 2006

[R: Mira Nair; D: Irrfan Khan, Tabu, Kal Penn, Zuleikha Robinson; 14.06.]

21.05.2007, 14:28, Text: arno raffeiner

Ausgerechnet Gogol. Der US-Teenie Gogol Ganguli hat die Schnauze voll vom Namen, den seine indischen Eltern für ihn ausgesucht haben. Warum mussten sie ihn auch unbedingt nach Nikolai Gogol benennen, dem vielleicht psychotischsten Schriftsteller Russlands? Gogol benutzt also fortan seinen zweiten Namen Nikhil. So wird er zum slicken und erfolgreichen angehenden Architekten Nick, reduziert den Kontakt zu seiner Familie auf ein Minimum und hängt stattdessen lieber im großbürgerlichen white Establishment seiner Freundin ab. Erst durch den plötzlichen Tod seines Vaters Ashoke Ganguli wird Gogol aufgerüttelt, sich mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen und nach seinem eigenen Platz in der Welt zu suchen. “The Namesake” variiert damit die alte Geschichte des Generationenkonflikts, indem er durch den Migrationshintergrund und die Gegensätze zweier Kulturen verstärkt wird.


Die indisch-amerikanische Regisseurin Mira Nair entscheidet sich mit diesem Stoff gegen das Autoren-Bollywood-Kino, das man von ihrem “Monsoon Wedding” kennt, und für eine eindringliche Familiengeschichte zwischen zwei Welten. Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Jhumpa Lahiri hat viel mit der Lebensgeschichte der Regisseurin selbst zu tun. Trotzdem bleiben in Nairs Familienbild einige blinde Flecken. Es wirkt immer wieder überraschend, wie hastig und ohne große dramaturgische Bögen Nair die Stationen im Leben der Gangulis abspult. Die Pluralität der Figuren in der Romanvorlage scheint sie nicht recht in den Griff zu bekommen, und so bleibt über die ganzen zwei Stunden Laufzeit unklar, auf welche Figur und welche Geschichte eigentlich fokussiert wird: auf den Traum des Vaters Ashoke vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten; auf Mutter Ashima, die sich selbstlos für ihre Familie aufopfert und sich dabei, in New York immer fremd und einsam bleibend, nach der alten Heimat sehnt; oder doch auf den jungen Gogol/Nick und seine Selbstfindung zwischen bengalischen Traditionen und US-Karrieremodell, die bis zuletzt nicht wirklich abgeschlossen scheint. Doch “The Namesake” entschädigt für diese Unstimmigkeiten mit vielen großen Momenten. Etwa mit der Poesie und den leisen Gesten, durch die sich die arrangierte Ehe von Ahima und Ashoke Ganguli über die Jahre in wahre Liebe verwandelt. Oder mit der unglaublichen Ergriffenheit von Vater und Sohn, wenn endlich das Geheimnis um Gogols Vornamen gelüftet wird.



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