
Irina Palm
B/F/D 2007
[R: Sam Gabarski; D: Marianne Faithfull, Miki Manojlovic, Kevin Bishop; 14.06.]
21.05.2007, 14:24, Text:
Calle Claus
Maggie (Marianne Faithfull), scheinbar ein etwas naives Mauerblümchen, hat gerade ihren neuen Job angetreten. Den kargen Arbeitsplatz hat sie sich heimelig hergerichtet, nun zieren ein gerahmter Kunstdruck und eine Topfpflanze die enge Kammer. In die Wand zu ihrer Rechten ist ein faustgroßes Loch eingelassen, an der Decke leuchtet eine Glühbirne auf: Kundschaft! Etwas schiebt sich durch die Öffnung, Maggie macht sich daran zu schaffen. Was sie da knetet, ist nicht zu sehen, die Pflanze steht im Weg.
Regisseur Sam Gabarski hat zuvor die Geschichte seiner Protagonistin entblättert: Maggie lebt in einem Vorort von London. Schicksalsschläge bestimmen ihr Leben. Der Ehemann ist früh verstorben, jetzt leidet ihr Enkelsohn an einer geheimnisvollen Krankheit, die nur von Spezialisten in Australien behandelt werden kann. Um ihrem Sohn bei der Finanzierung zu helfen, sucht sie verzweifelt einen Job. Als ihr in Soho ein Schild mit der Aufschrift “Hostess gesucht” ins Auge fällt, denkt sie zunächst an Kaffee kochen und Boden feudeln. Miki (Miki Manojlovic), der Besitzer des Clubs Sexy World, erklärt der überraschten Frau ihre künftige Aufgabe und stellt sie auf Probe ein, nicht ohne ihr vorher einen Künstlernamen zu verpassen. Von nun an ist sie Irina Palm, die Frau mit den magischen Händen. Irgendwann sehen wir dann auch die andere Seite von Maggies Kammer: Horden von Männern stehen im dunklen Flur des zwielichtigen Clubs in Londons Rotlichtviertel Schlange. Einzeln treten sie vor die runde Öffnung, klammern sich an eine Haltestange über ihrem Kopf und brechen alsbald in ekstatische Schreie aus. Ihre unsichtbare Wohltäterin wird zur unerreichten Koryphäe auf dem Gebiet des “hand job”, und ihr Verdienst übersteigt den einer Putzfrau schon bald um ein Vielfaches.
Marianne Faithfull spielt die “wichsende Witwe” zurückhaltend, aber pointiert. Allein ihre Leinwandpräsenz sorgt dafür, dass es nie peinlich oder platt wird. Gabarski schafft es über die gesamte Filmlänge, sämtliche primären Geschlechtsorgane hinter allen möglichen ins Bild ragenden Objekten zu verstecken, was tatsächlich einen slapstickhaften Effekt hat. Dennoch: Für eine Komödie ist sein Blick zu melancholisch und für ein Rührstück zu absurd. Alle Schubladen klemmen bei diesem Film.
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