Ferien

D 2007

[R: Thomas Arslan; D: Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm; 14.06.]

21.05.2007, 14:21, Text: Maurice Delgado

Sommer in der Uckermark. Ein verschlafenes Landhaus, das einem von der Midlife-Crisis geplagten Ehepaar als Alterssitz dient. Dieses Domizil ähnelt jenem “Haus vor der Welt”, das Albert Camus beschrieb, als der Existenzialismus noch eine politische Lebensweise zu sein versprach. Das Rauschen der Wälder untermalt die stille Zusammenkunft einer Mittelstands-Familie, die vier Generationen vereint. Es sind Ferien. Die Familienfassade beginnt schon bald zu bröckeln, aber nicht so, wie wir es aus den Melodramen von Fassbinder, Almodovar oder Ozon kennen. Hier scheint die “Klage” eine rein passive Handlung zu sein, gleichbedeutend mit dem Genuss eines Trauerchors. Kann es ein unterkühltes Melodrama geben? Regisseur Thomas Arslan (“Aus der Ferne”) entdeckt es in “Ferien” für sich. Keine Sozialstudie, kein Rausch der Gefühle, nie treten wir den Protagonisten nahe. Der Verlust des Vaters, der die Familie vor 30 Jahren verließ, hängt wie ein Damoklesschwert über den Anwesenden.


Ferien” hat sehr starke Momente. Da holt der Sohn der Mittelstandsfamilie, der sich über frustrierte Dorfjugendliche ärgern muss, seine Freundin mit dem Mofa ab. Die Kamera beobachtet die Szene vor einem sozialen Betonwohnungsbau, umringt vom Nichts. Die Mofa-Fahrten erinnern an die Schwerelosigkeit des thailändischen Kino-Magiers Apichatpong Weerasethakul in dem Film “Tropical Malady”. Man möchte Thomas Arslan an solchen Stellen für die poetisch aufgeladenen Bilder loben, jedoch zugleich die hölzerne Rahmung hinterfragen: Ist nicht gerade der Exzess spezifisch für das Melodrama? Manfred Hermes schrieb, dass es sich bei “Ferien” um geiziges Kino handele, u. a., weil nichts über die Unterschiede und die soziale Herkunft der Handlungsträger zu erfahren sei. Wir sehen Bänke, Stühle, Tische, Naturbilder, spielende Kinder. Die Konflikte verschwinden mitunter hinter den perfekt kadrierten Bildern. Wer hier eine Gegenwartsdiagnostik behauptet, wird sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt sehen, etwas “Politisches” von der “Berliner Schule” zu verlangen, was deren Vertreter in ihrer Politik der Form von sich weisen. Aber schaut man genauer hin, spielen sich in Arslans “Ferien” post-existenzialistische und neobürgerliche Szenen der Empfindsamkeit und Innerlichkeit ab, die einem die Luft zum Atmen rauben. Das ist allemal ein Ansatz der Kritik, jedenfalls in einem Landhaus vor der Welt.



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