
Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn Season 1 (2 DVDs)
USA 2006
21.05.2007, 13:32, Text:
Peter Scheiffele
“Weeds” ist ähnlich angelegt wie die Erfolgsserie “Desperate Housewives”. Das Setting ist eine fiktive, sonnenüberflutete und wohlhabende Kleinstadt an der Westküste der Vereinigten Staaten – hier Agrestic, dort Fairview – mit einer frauenzentrierten Nachbarschaft voller Intrigen, Geheimnisse und einem zermürbenden Alltag. Wie schon in der Wisteria Lane steht auch hier der Tod im Zentrum der Geschichte: Nancy Botwins (Mary-Louise Parker) Ehemann stirbt beim Joggen an einem Herzinfarkt. Der Unfall stürzt sie mitsamt ihren Söhnen Silas und Shane in eine Krise – der Überlebenskampf der hustling Mom nimmt seinen Lauf. Um den drohenden Verlust ihres Lebensstandards abzufedern, verkauft Nancy Marihuana in der Nachbarschaft – zunehmend professioneller. Anders als bei den verzweifelten Hühnern in Fairview dient hier der Tod nicht dazu, das entworfene und von Doppelmoral geprägte Universum über eine Achse von Gut und Böse zu brechen, vielmehr wird in “Weeds” ein von Unsicherheit geprägtes Leben vorgeführt, das nicht zwangsläufig von Verlustängsten getrieben im Einverständnis mit dem Neokonservatismus enden muss. Lauter süße kleine semantische Bomben erschüttern das Neokon-Universum. Das setzt sich in der zweiten Staffel fort, etwa, als Nancy das Bild des am Spielfeldrand stehenden Muttertiers subvertiert, indem sie während der Betreuung ihres leicht freakigen, Fußball spielenden Sohnes Shane Gras an den debilen Stadtrat Doug Wilson (Kevin Nealon) verkauft. Oder als Wilsons Drogen dealender Sohn Josh (Justin Chatwin) Nancy im Auto zu verstehen gibt, dass man sich “Die Passion Christi” vollkommen stoned reinziehen sollte, weil man den Film so zumindest als das wahrnimmt, was er ist, nämlich ein Snuff-Movie. Oder als Nancys ultra-hedonistischer Schwager Andy (Justin Kirk) den Stadtrat beim gemeinsamen Kiffen darum bittet, ihn als für die Stadt unersetzlich auszuweisen, da er sonst eingezogen werde und in den Irak-Krieg ziehen müsse: “Mit einer beschissenen Zielscheibe auf dem Kopf, mitten in der Wüste und nur darauf wartend, von einer Autobombe zerfetzt zu werden, die wiederum von einem Zwölfjährigen zusammengebastelt wurde, der einst auf ›Friends‹ und Metallica stand, bis wir sein Zuhause mit einer unserer Raketen in die Luft gejagt haben.”
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