Helke Sander Box (5 DVDs)

D 2007

[R: Helke Sander; Neue Visionen]

21.05.2007, 13:19, Text: Birgit Binder

“Bei allen Revolutionen haben die Frauen eine große Rolle gespielt. Sie haben sie immer unterstützt, weil sie nie viel zu verlieren hatten. Sie hatten geglaubt, allein wirtschaftliche Veränderung brächte auch eine Veränderung des Menschen mit sich. Aber Gleichheit und Brüderlichkeit waren immer nur Gleichheit und Brüderlichkeit der Männer und, wie man weiß, selbst das nur in einem sehr bestimmten Maße”, schrieb Helke Sander in der Flugschrift Nr. 2, Intern / Kritik und Selbstkritik im März 1968, die jetzt leicht gekürzt im Booklet zur Helke-Sander-DVD-Edition nachlesbar ist.
Die Regisseurin, Autorin und Publizistin Sander ist dieses Jahr 70 Jahre alt geworden. Und wie leicht es doch ist, in Zeiten von Post-Feminismus, LGBT-Studies und postulierter “Gleichberechtigung” zu fragen: “Wer bitte ist Helke Sander?” Ihre Rede auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) im September 1968 in Frankfurt am Main ist als “Tomatenrede” in die bundesrepublikanische Geschichte eingegangen. Vorangegangen war die Gründung des “Aktionsrates zur Befreiung der Frau” durch West-Berliner SDS-Frauen, die geschlechtsspezifische Zuordnungen von Aufgaben nicht länger hinnahmen. Tomaten flogen, als im Anschluss an Sanders Rede diskussionslos zum nächsten “Tagesordnungspunkt” übergegangen wurde.



Unter insgesamt vier Spielfilmen, sieben Dokumentarfilmen und sechs Kurzfilmen, die zwischen 1967 und 2005 entstanden, gibt es auch diese Rede zu entdecken. Die vorliegenden fünf DVDs sind ein Zeitdokument (deutsch-) deutscher 68er-Generationsgeschichte, mit dezidiert feministischem Fokus. “Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers” ist 30 Jahre alt, die Problematiken der Alltagsfragmentarisierung sind immer noch akut.
Die zweiteilige Dokumentation “BeFreier und Befreite” aus den Jahren 1991/92 ist der umstrittene Versuch, zu klären, so Sander, “wie viele Frauen in Berlin 1945 von den Vergewaltigungen [durch Rotarmisten] betroffen waren.” Gertrude Koch und Anita Grossmann kritisierten in der von Sander 1974 gegründeten und bis 1982 von ihr herausgegebenen Zeitschrift Frauen und Film die Gleichsetzung vergewaltigter Frauen mit Kriegs- und Shoa-Opfern und bemängelten sowohl die Verwendung von NS-Propagandamaterial ohne explizite ideologiekritische Analyse als auch die ahistorische Konstruktion der Denkfigur “Ewiger Vergewaltiger – ewiges Opfer”.



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aus Intro #150 (Juni 2007)
 
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