
Buongiorno, Notte – Der Fall Aldo Moro
I 2003
[R: Marco Bellocchio; D: Maya Sansa, Luigi Lo Cascio, Roberto Herlitzka; 14.06.]
21.05.2007, 06:00, Text:
Wolfgang Frömberg
Die Stadtguerillas der 70er sind ein Modethema. Gibt’s noch Veteranen zum Begnadigen oder welche, die man einlochen kann? Die Entführung und Ermordung des italienischen Politikers Aldo Moro durch die Roten Brigaden setzt der Spielfilm “Buongiorno, Notte” in Szene. Regisseur Marco Bellocchio hat eine Menge Tatsachenberichte über die Geschehnisse des Frühjahrs 1978 konsumiert. So geht die Darstellung der Wohnung, wo der Christdemokrat 55 Tage lang festgehalten wurde, bis man ihn in einen Kofferraum faltete, auf die Schilderungen seiner Mörder zurück. Die Tapetenfarbe konnte rekonstruiert werden, selbst das Bücherregal, hinter dem man ihn versteckte. Bleibt die Frage, wie sich Bellocchio durch seine Darstellung der “tatsächlichen Ereignisse” positioniert. Entschieden hat er sich für ein psychologisches Kriminalstück mit einer Anmutung von politischer Analyse. Die beschränkt sich aber auf die Feststellung, dass die Entführer beleidigt sind, weil ihnen das Proletariat nach der Entführung nicht sofort in die Revolution folgt. Währenddessen ist dem rührenden Herrn Moro längst klar, dass er leider als Märtyrer des Bürgertums in die Geschichte eingehen wird. Dumm war er nicht, der Aldo Moro! Der wachsende Zweifel der Hauptfigur Chiara soll uns wohl eine Lehre sein, vorher drüber nachzudenken, zu welchen Mitteln man im Kampf gegen das Schweinesystem greifen möchte. Einer der wenigen guten Aspekte dieser preisgekrönten mutlosen Angelegenheit ist der Auftritt des Papstes – jenseits von Gut und Böse.
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