
Shooting Dogs
GB/D 2005
[R: Michael Caton-Jones; D: John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz, Claire-Hope Ashitey; 17.05.]
23.04.2007, 06:00, Text:
Lina Dinkla
Rein objektiv betrachtet, wurde hier ein wichtiges filmisches Vorhaben mit vielen guten Absichten umgesetzt, keine Frage. Dass der Völkermord in Ruanda jenseits von Afrika so gut wie niemanden interessiert hat, die Verifizierung dieser Behauptung bedarf wohl keiner groß angelegten Studie. Aber “Shooting Dogs” bietet Anlass, mal wieder grundsätzlich darüber zu sinnieren, wie schnell es scheitern kann, derart heikle Sujets – wie in diesem Fall den Massenmord an den Tutsi, einem nicht in Worte zu fassenden abartigen Akt der Unmenschlichkeit – zu fiktionalisieren. Bei einem durchschnittlich gestalteten Spielfilm – geradlinig erzählt, keine Experimente – muss ja allein durch die zeitliche Beschränkung eine gewisse Vereinfachung der dargestellten Abläufe in Kauf genommen werden. Charaktere werden zwangläufig auf bestimmte Typen reduziert, vorhandene Grundvoraussetzungen führen dazu, dass man bekannten Genreklischees nicht ausweichen kann. So ist das Anliegen von “Shooting Dogs” zwar ein gutes, doch die auf ein europäisches Publikum zugeschnittene Binnenhandlung – Missionar und Lehrer in Ruanda sind indirekt vom Hutu-Putsch betroffen und schwanken zwischen Bleiben oder Fliehen – ist leider unsäglich langweilig, vorhersehbar und ärgerlich wegen der Gutmenschenmoral.
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