The History Boys

GB 2007

[R: Nicholas Hytner D: Richard Griffiths, Frances des la Tour, Stephen Campbell Moore; 17.05.]

23.04.2007, 06:00, Text: Jasper Nicolaisen

Die frühen 80er-Jahre an einer Jungenschule im industriell geprägten englischen Norden. Eine kleine Gruppe von Schülern der Abschlussklasse könnte den Sprung auf eine Elite-Universität schaffen. Der junge Oxford-Abgänger Irwin soll sie für die Prüfung trimmen. Derweil verpasst ihnen der kurz vor der Pensionierung stehende Hector einen Hochkultur-Schnellkurs. Der Konflikt scheint vorprogrammiert: hier der smarte, effiziente und weltgewandte Ironiker; dort der alte Humanist, dem die Herzensbildung wichtiger ist als Lehrpläne, auch wenn die Aufnahmechancen seiner Schüler darunter leiden. Beide buhlen auf ihre eigene Weise um die Zuneigung der Jungs. Der eine mit schrulliger Kumpelhaftigkeit und unbeholfenen Annäherungsversuchen. Der andere mit Coolness und aufreizender Distanz. Es entspinnt sich ein Geflecht aus offener und uneingestandener Anziehung, sexueller Provokation, Eifersucht und vorsichtiger Zuneigung zwischen allen Beteiligten. Die einzige Lehrerin der Schule, Mrs Lintott, kommentiert dies freundschaftlich-sarkastisch.


Die Herausforderung für Regisseur Nicholas Hytner bestand darin, das Tabuthema “Lehrer-Schüler-Beziehung” weder auf die leichte Schulter zu nehmen noch mit Tragik zu überfrachten. Es soll nicht verharmlost werden, dass die Lehrer ihre Grenzen überschreiten. Doch bleiben sie trotz ihrer Fehler sympathische Figuren, die von den jederzeit souveräner wirkenden Schülern eine Menge über Liebe und das Erwachsenwerden lernen.
Das durch die Bank begeisternd aufspielende Ensemble aus weitgehend unbekannten Schauspielern (mit Ausnahme von Richard Griffiths) tut ein Übriges und erspart dem Publikum sowohl nostalgische Schulromantik als auch den mahnenden Zeigefinger. Dass es trotzdem zu Missverständnissen kommt, belegen die Gespräche auf der Herrentoilette nach der Pressevorführung. Männerkörper drängen sich mit geöffneten Hosen aneinander. Hier wird “History Boys” belächelt. Alle Jungs in dem Alter hätten doch mal so ’ne Phase, das sei völlig übertrieben dargestellt, heißt es. Und weiter: “In Deutschland wäre so was nicht gefördert worden!” Wie beinahe alles, was Männer mit heruntergelassenen Hosen sagen, sind diese Behauptungen Blödsinn – “History Boys” ist ein wunderbarer Film, der sich zum Skandal nun gar nicht eignet, sondern nur zum Staunen, Freuen, Ansehen.




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