
Black Book
D/NL/GB/B 2006
23.04.2007, 06:00, Text:
Martin Riemann
Nachdem Adolf Hitler im deutschen Kino seine Menschwerdung zwischen leicht vertrotteltem Onkel und Schießbudenfigur widerfahren ist, werden in anderen Ländern noch Filme über das gedreht, was die Nationalsozialisten am liebsten machten – nämlich Rauben, Foltern und Morden. Der niederländische Thriller “Black Book” zeigt, wie totalitäre Unterdrückungsmechanismen bei einigen Menschen nur das Schlechteste zutage fördern, während sie wenige andere zu Helden machen. Zum Beispiel die jüdische Sängerin Rachel Stein (Carice van Houten), die auf der Flucht miterleben muss, wie ihre gesamte Familie kaltblütig ermordet wird, und sich daraufhin dem holländischen Widerstand anschließt. Als einer ihrer Kameraden von den deutschen Besatzern verhaftet wird, mischt sie sich unter die Reihen der Besatzungstruppen, um ihn zu befreien – und wird die Geliebte des Offiziers Müntze (Sebastian Koch). Doch muss sie bald feststellen, dass sie den Leuten aus den eigenen Reihen nicht unbedingt mehr vertrauen kann als den Nazis.
Paul Verhoeven, der in den Neunzigern mit Filmen wie “Robocop”, “Total Recall” oder “Starship Troopers” das Genrekino Hollywoods revolutionierte und mit “Basic Instinct” Aufsehen erregte, knüpft mit “Black Book” nahtlos an seine frühen holländischen Filmerfolge wie “Soldiers Of Orange” und “Keetje Tippel” an. Mit diesen Frühwerken teilt “Black Book” Verhoevens Geschick, vielschichtige Filmheldinnen zu kreieren, die der Unbill, die ihnen widerfährt, mit bewundernswerter Kraft und Schläue begegnen. Ein weiteres Merkmal ist der für Verhoeven übliche unverkrampfte Umgang mit Sexualität, die hier zwar sehr wohl als “harte Währung” dargestellt wird, darüber hinaus aber so menschlich inszeniert wurde, wie es im aktuellen Kino leider selten ist. Natürlich entspringt auch die Figur der Rachel einer Männerfantasie, aber scheinbar wenigstens einer, die Frauen als das stärkere und gewitztere Geschlecht begreift. Man sollte außerdem beachten, dass Verhoeven diesen auf realen Begebenheiten basierenden Stoff in erster Linie dazu nutzt, einen temporeichen, intelligenten Actionreißer auf die Beine zu stellen, ohne dabei jedoch den Bezug zur Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. Was ihm mit dieser hervorragend besetzten europäischen Gemeinschaftsproduktion auf beeindruckende Weise gelungen ist.
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