
Ich bin neugierig – gelb/blau & Ich bin ein Elefant, Madame
S 1967 & D 1969
23.04.2007, 06:00, Text:
Wolfgang Frömberg
Die Wiederentdeckung vergessener Kinofilme zum Zwecke eines DVD-Releases führt mitunter dazu, kulturpolitische Kontexte der Vergangenheit zu erschließen, die aus heutiger Sicht schwer zugänglich erscheinen. Die “Debatten” um die Schuld der 68er-Generation am neoliberalen Gesellschaftsvertrag – oder die laufende Diskussion um militanten Widerstand und RAF – bleiben oberflächlich. Ein Film wie Vilgot Sjömans “Ich bin neugierig”, der jetzt in Deutschland erstmals ungekürzt erscheint, könnte helfen, ein wenig Aufklärung über einst weitverbreitete Protesthaltungen zu leisten. Lena (Lena Nyman) zieht aus, um dem Volk Aussagen zur Klassengesellschaft, dem Urlaub im faschistischen Spanien oder zur Gewaltlosigkeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung aus der Nase zu ziehen. Auf verschiedenen Handlungsebenen reflektiert der Film in zwei Fassungen (“blau” und “gelb”) seinen Entstehungsprozess und seine Bedingungen. Durch einige Nackt- und Sexszenen wurde der Klassiker des schwedischen Autorenfilms zum oft zensierten Skandalwerk. Peter Zadeks ein Jahr später realisierter “Ich bin ein Elefant, Madame” verfolgt ein ähnliches dokumentarisches Anliegen, gibt sich aber in Machart und Stoßrichtung diplomatischer. Aber auch hier gibt es ein paar vielsagende Doku-Szenen.
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