The Strange Saga Of Hiroshi The Freeloading Sex Machine

J 2005

[R: Yuji Tajiri; Rapid Eye Movies]

23.04.2007, 06:00, Text: Birgit Binder

Seit Anfang der Sechzigerjahre gibt es Pink-Filme (auf Japanisch: pinku eiga) – beinahe ausnahmslos einstündige japanische Softcore-Pornos auf 16 und 32 mm. Durch schmale Budgetvorgaben, ultrakurze Drehzeiten und eine Mindestanzahl von Sexszenen reglementiert, bot dieses Genre jungen Filmregisseuren von Beginn an die Möglichkeit, ihre eigentlichen Projekte über einen kleinen Umweg zu realisieren, also im teuersten künstlerischen Medium um einige Kopulationsszenen herum eine ansprechende Geschichte zu erzählen, filmisch zu experimentieren und zuweilen etwas Gesellschaftskritik unterzubringen. So stand es ihnen weitestgehend frei, die zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu nutzen. Leider wurde dieser Verfügungsrahmen auch (zu) oft mit stumpfsinnigen Dialogen, kinematografischer Einfallslosigkeit und minimalen Pseudo-Storys ausgeschöpft.


Insbesondere westliche Kritiker haben seit Mitte der Neunzigerjahre immer wieder versucht, das Pinku-Eiga-Genre gerade aufgrund seiner formellen Vorgaben als idealen Ort für Low-Budget-Experimente zu verteidigen. Doch müssen wir uns 2007 noch etwas vormachen und am platten Mythos “Porno = politisch-progressiv” mitstricken, der die männliche Perspektive als allgemeingültig voraussetzt? Schließlich untermauert die androzentristische Porno-Industrie – ja, auch die japanische – gerade den Status quo der Geschlechterverhältnisse.
Sicher, es gab den marxistisch ambitionierten “Ecstacy Of The Angels” (1970) von Wakamatsu. Und es gab mal das Subgenre des “gay pinku eiga”. Aber was soll’s, so lange das Gros des Pink-Film-Outputs auf Misogynie nicht verzichten mag ...
Der Kölner Verleih Rapid Eye Movies, der bereits Shunya Itos “Sasori” auf DVD veröffentlicht hat, einen Klassiker des in den Siebzigern vom Filmstudio Tôei produzierten Pinky-Violence-Genres, bringt nun einen Pink-Film des 1968 geborenen Regisseurs Yuji Tajiri aus dem Jahre 2005 heraus. Filmisch bietet “The Strange Saga Of Hiroshi The Freeloading Sex Machine” keine Avantgarde, aber solides Handwerk. Wer einem fliegenden Plastikpenis und Kakerlaken-Sumo-Wrestling komisches Potenzial abgewinnen kann und die Gurken-Analpenetration des Protagonisten Hiroshi durch seine Freundin Haruka zu goutieren weiß – bitte sehr. Ein Wermutstropfen für Tierfreunde: Laut Regisseur Tajiri hat keiner der Kakerlaken-Statisten das Pink-Film-Set lebend verlassen.



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