A Scanner Darkly

USA 2006

[R: Richard Linklater; D: Roy Cochrane, Robert Downey jr., Keanu Reeves; Warner]

23.04.2007, 06:00, Text: Sascha Seiler

Richard Linklater gilt als Pionier einer neuen Art von Animationsfilm, hat er den bei “A Scanner Darkly” perfektionierten Stil doch bereits vor fünf Jahren bei “Waking Life” erprobt: Linklater filmte erst seine Szenen, dann wurden die Bilder farbig übermalt, fertig war der psychedelische Effekt, der hervorragend zur wirren Story von “Waking Life” passte. Dass sich Linklaters existenzialistisches Manifest gelegentlich in seinem Bilder- und Phrasenmeer verlor, wurde im Hinblick auf die geniale optische Umsetzung gerne in Kauf genommen; doch der Meister selbst kann mit dem damaligen Ergebnis nicht vollends zufrieden gewesen sein, das merkt man dem Animations-Nachfolgefilm “A Scanner Darkly” deutlich an.


Anders als bei “Waking Life”, wo er Form auf Inhalt bezog und die für Linklater typischen Redekaskaden mit frei fließenden Bildern untermalte, wollte der Regisseur diesmal einen “richtigen” Film drehen, mit einer spannenden Handlung und nachvollziehbaren Figuren. Dennoch sollte die Form dominant sein, den Inhalt dabei aber demokratisch in den ästhetischen Prozess mit einbeziehen. Also griff Linklater zu einer Geschichte von Philip K. Dick und illustrierte diese – im wahrsten Sinne des Wortes – mit seiner speziellen Filmtechnik. Und Dicks Zukunftswelten eignen sich hervorragend sowohl für Linklaters Visionen als auch für seine philosophischen Dialoge. Anders als der misslungene “Paycheck” und der nur marginal bessere “Minority Report” schafft es “A Scanner Darkly”, die Atmosphäre von Dicks Welt einzufangen; so kann man den Film tatsächlich am ehesten mit Ridley Scotts “Blade Runner” vergleichen, einer weiteren Dick-Adaption, die vor allem aufgrund der optischen Repräsentation der surrealen Zukunftsmetropole glänzt.
Selbstredend ist eine Geschichte um unheimliche, wesensverändernde Drogen und Schizophrenie geradezu prädestiniert für Linklaters Herangehensweise, denn so kann dieser die experimentelle Natur des Films herauskehren, ohne große Abstriche auf der Handlungs- oder gar Spannungsebene machen zu müssen. Am erstaunlichsten ist aber, wie die Schauspieler, anders noch als bei “Waking Life”, aufgrund der perfektionierten Technik plötzlich richtig zur Geltung kommen. Ob dieser Art von Animationsfilm die Zukunft gehören wird, ist bei ihrem höchst artifiziellen Kunstcharakter zwar zu bezweifeln. Für gewisse Stoffe jedoch scheint dies der Brückenschlag zwischen Zeichentrick, CGI und Realfilm zu sein. Man wird sehen, was die Zukunft bringt.

www.ascannerdarkly.de



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 

DVD-EMPFEHLUNGEN

Das neue Fernsehen - Neu auf DVD & Blu-ray

Das neue Fernsehen

Neu auf DVD & Blu-ray
... mehr



 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 
DIE FILMSTARTS DER WOCHE
Drive - Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Drive

Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche
... mehr

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.