
MuVi Award 2007
Im kurzen Monat Mai
23.04.2007, 06:00, Text:
Wolfgang Frömberg
Zeit für den MuVi Award. Vom 03. bis 08. Mai gehen die 53. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen über die Bühne. Am 05. Mai wird dort die Auszeichnung für das beste Musikvideo verliehen. Zwölf Clips stehen im Wettbewerb zur Auswahl. Das Publikum hat wie immer ein entscheidendes Wörtchen mitzureden und vergibt einen eigenen mit 500 Euro dotierten Preis. Mehr Informationen zum Voting gibt es hier.
In Oberhausen hat man früh erkannt, dass mit dem Musikvideo eine Kunstform in der Entwicklung begriffen war, die sich längst von ihrem Geburtshelfer emanzipiert hatte – dem Musikfernsehen. Die Clips hatten schon 1999 eine eigene Geschichte, auf die sich bauen ließ. Ihre Produktion verdichtete Mikrokosmen und bot neue Reibungsfläche zwischen Kunst und Kommerz. Heute spielt der verkaufsfördernde Aspekt von Musikvideos nur noch eine marginale Rolle, die Verleihung des MuVi-Award im Rahmen der traditionsreichen Oberhausener Kurzfilmtage, die bereits zum 53. Mal stattfinden, ist dagegen eine feste Institution. Etablierte KünstlerInnen wie Pipilotti Rist, Kodwo Eshun, Floria Sigismondi u. v. a. saßen bislang in der Jury. Im letzten Jahr wurde keine Produktion den Ansprüchen der Juroren gerecht. Ein Indiz dafür, dass der familiäre Rahmen durchaus strenge Kritik zulässt.
Man darf gespannt sein, ob es wie im Vorjahr zur doppelten Vergabe des zweiten Platzes kommt oder ob zur Abwechslung gleich alle zwölf Wettbewerbsbeiträge zum Sieger gekürt werden. Und was die Jury sich wohl einfallen lässt, um auch anno 2007 die traditionell gepflegte Nachwuchsförderung nicht zu vernachlässigen. Selbst gebastelte Clips für bekannte Songs, wie man sie in Oberhausen etwa von Kunsthochschul-Absolventen zu sehen bekommt, haben durch die wachsende YouTube-Community und das wuchernde Bilderarchiv im Web Konjunktur. Dass die Legion der Amateure, Selbstdarsteller und verkannten Genies Inspiration und Herausforderung zugleich darstellt, zeigt unter anderem Jakob M. Kubizeks Video zu Montas “Good Morning Stranger”. Die Möglichkeiten der Produktion und Vervielfältigung von Kurzfilmen und Musikvideos haben sich rasant verändert. Dieser expandierende Makrokosmos verdient es, so ernsthaft reflektiert zu werden wie zuvor der künstlerische Loslösungsprozess vom Heavy-Rotation-Clip hin zu neuen Bildern.
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