
Hwal – Der Bogen
ROK 2005
[R: Kim Ki-Duk; D: Jeon Sung-Hwan, Han Yeo-Reum, Seo Ji-Seok; Rapid Eye Movies]
26.03.2007, 06:00, Text:
Calle Claus
[2 Kommentare]
Was heißt eigentlich “Fettnäpfchen” auf Koreanisch? Oder anders gefragt: Kann sich ein Künstler, der für einen filmischen Meilenstein wie “The Isle” (2000) verantwortlich ist, auch mal böse vertun und in ein solches tapsen? Er kann, leider, wie “Hwal – Der Bogen”, der letzte Film des koreanischen Arthouse-Giganten Kim Ki-Duk, bewies.
Dabei gibt es auf den ersten Blick viele Parallelen zwischen den beiden Schwesterfilmen: Ersterer erzählt von einer grausamen Wassernymphe, die schwimmende Holzhütten an Angler vermietet, die nicht ahnen, dass sie auf ihrem See gefangen sind wie Fliegen im Spinnennetz. Nun wird der Spieß quasi umgedreht und ein junges Mädchen ist der Willkür eines alten Mannes ausgeliefert. Sein Fischerboot ankert auf offener See, nah genug am Festland, um Angelgäste an Bord holen zu können, aber auch weit weg von den Verlockungen der Zivilisation. Wir erfahren, dass das schöne Mädchen im Kindesalter gekidnappt und an diesen einsamen Ort gebracht wurde, wo es seitdem in seltsam stoischer Ruhe die Zeit totschlägt. Gesprochen wird mal wieder nur das Nötigste. Bald wird die Süße volljährig sein, dann soll geheiratet werden. Die Tage bis dahin streicht der Alte jeden Morgen auf dem Wandkalender ab. Und dann ist da noch sein “Nebenjob” als Wahrsager, bei dem das Mädchen als Medium fungiert. Sie sitzt auf einer Schaukel am Bootsrand, und er beschießt sie mit Pfeilen, die sie nur knapp verfehlen. Dann flüstert sie ihm die Weissagung ins Ohr. Nach Feierabend verwandelt sich die Waffe in ein Musikinstrument, dem der Alte mit einem Geigenbogen sehnsüchtige Harmonien entlockt. Der klebrig-süße Streicher-Filmscore ist nicht sonderlich gelungen, und auch auf anderen Ebenen offenbart der Film Schwächen, allzu schablonenhaft entwickeln sich Handlung und Figuren. Ein schmucker Student kommt aufs Schiff, die Schöne verliebt sich, die künstliche Harmonie an Bord ist futsch. Das finale Duell zwischen jungem und altem Mann ist unglaublich abgeschmackt inszeniert, das muss, bei allem Respekt vor diesem großen Regisseur, mal so hart gesagt werden. Man kann nicht umhin, sich ernsthaft um Kim Ki-Duks zukünftiges Werk zu sorgen. Die DVD bietet 50 Minuten Bonusmaterial und ein beiliegendes Filmposter. Wir nehmen es zur Kenntnis und hoffen, dass “Breath”, Kim Ki-Duks für 2008 angekündigtes Folgewerk, wieder zur alten Brillanz zurückfindet.
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RagingPenguin 10.04.2007 | 14:21:47
War das Folgewerk von "Hwal" nicht "Time"?
Na, egal. Dem Artikel stimme ich auch jeden Fall zu. Leider.
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