Tee im Harem des Archimedes

F 1985

[R: Mehdi Charef; D: Kader Boukhanef, Rémi Martin, Laure Duthilleul; Kinowelt]

28.02.2007, 16:34, Text: Sascha Seiler
[6 Kommentare]

Der kryptische Titel des Films bezieht sich auf eine intellektuelle Fehlleistung eines der jugendlichen Protagonisten, der in der Schule das Theorem des Archimedes nicht so recht verstanden hat und sich fragt, warum Archimedes einen Harem hat und in diesem Tee konsumiert. Natürlich ist es aber auch ein doppeldeutiger Titel, denn in Mehdi Charefs Sozialfilmklassiker aus dem Jahr 1985 geht es um den tristen Alltag nordafrikanischer Einwanderer in den französischen Vorstädten; ein Thema, das ja jüngst eine große Öffentlichkeit beschäftigte, als besagte Einwanderer auf die Barrikaden gingen. Die Hoffnungslosigkeit und die daraus entspringende Aggression werden in diesem subtil und dennoch äußerst spannend inszenierten Film detailliert gezeigt, zu einer Zeit, als das Thema noch nicht so präsent war wie heute. Im Mittelpunkt dieser tristen Ghettosymphonie stehen Madjid, Sohn algerischer Einwanderer, und sein bester Freund Pat, bezeichnenderweise ein Franzose, der allerdings aus ärmlichsten Verhältnissen stammt, und ihr stetiger Abstieg in den Sumpf der Kriminalität. Charefs Schachzug, einen Franzosen zu einer der beiden Hauptfiguren zu machen, erweist sich als äußerst klug, verpasst dieser dem Film doch die Aura des Universellen und trägt ihn, bei aller Schwerpunktbildung, aus dem Einwandererghetto in die französische Psyche. Seinerzeit hat das funktioniert, denn “Tee im Harem des Archimedes” ist einer der großen Klassiker des dreckigen, realistischen Sozialdramas, und es verwundert, dass es so spät zur DVD-Auswertung kommt.




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  • blaubeersaft 28.03.2007 | 08:56:31

    einer meiner absoluten lieblingsfilme. ich haette heulen koennen, als der auf einmal vorbei war, sowas koennte ewig weiterlaufen.

    und fuer die das noch nich cool genug is, der dolle ricardo villalobos, der abgedrehte superstarke hypertechno guru, der hat wohl mal ein album danach benannt. echt ey krass, so geil wie der film ey. total!

  • weiche zäune 28.03.2007 | 10:10:20
    love love love yeah
    ja und ja

    (aber kein grund hier gleich die grammatische und semantische contenance zu verlieren)

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