
Strange Circus
J 2005
[R: Sion Sono; D: Masumi Miyazaki, Issei Ishida, Rie Kuwana; Rapid Eye Movement]
28.02.2007, 16:21, Text:
Martin Riemann
Nachdem Geschichten über Flüche und langhaarige Rachegeister im japanischen Horrorkino etwas über Gebühr beansprucht wurden, wendet man sich dort seit einiger Zeit wieder einem besonders traditionsreichen Subgenre zu: dem Ero guro. Das heißt grotesken Geschichten, die auf ungewöhnliche Weise Sexualität, Perversion und Gewalt vermischen. Wie in “Strange Circus”.
Mitsuko, die Tochter eines strengen Schuldirektors, wird von ihrem Vater sexuell missbraucht (wichtigstes Requisit: ein Cellokasten!) und von ihrer Mutter aus Eifersucht schwer misshandelt. Das alles erfährt man aus dem neuen Buch der scheinbar gehbehinderten Bestsellerautorin Taeko, die so verrückt ist, dass sie Nudeln mit der Hand verzehrt, dabei lacht und sich das Gesicht mit Soße beschmiert. Als sie den androgynen Yuji als Assistenten einstellt, beginnen die Grenzen zwischen Realität und Literatur zu verschwimmen.
Sion Sonos knallbunter Bilderreigen um Kindesmissbrauch und Persönlichkeitsverschiebung dürfte mit seiner Drastik und der wirren Struktur für viele Zuschauer eine Herausforderung darstellen. Dabei gestaltet es sich nicht gerade zum Vorteil, dass man hinter den breit ausgewalzten Tabubrüchen und der arg gewollten Seltsamkeit des Films nicht viel finden wird. Aber so ist eben das Ero-guro-Genre. Der Deckmantel gesellschaftlicher Relevanz dient ihm nur, um dem geneigten Fan mit dem hanebüchensten Unsinn die nötigen Kicks zu verschaffen.
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