Das Leben ist ein Chanson

F/GB/CH 1997

[R: Alain Resnais; D: Agnès Jaoui, Sabine Azéma, Jean-Pierre Bacri, Lambert Wilson, Jane Birkin; Kinowelt]

28.02.2007, 16:06, Text: Sonja Eismann

Der Film sei eine Komödie über “den Schein”, erklärt das Drehbuch-, Schauspiel- und Real-Life-Traumteam Jaoui/Bacri in der Featurette zur Entstehung von “On Connaît La Chanson”. Die Ent-Hüllungen und Ent-Täuschungen der einzelnen Sturm-geschüttelten Charaktere lassen keinen Zweifel daran, doch wenn die ersten Szenen abrollen, in denen völlig überraschend in einem Alltags-Setting zu singen angehoben wird, muss man sofort an die Bonbon-bunte und doch sozialkritische Nouvelle-Vague-Musical-Welt von Jacques Demys “Les Démoiselles De Rochefort” oder “Les Parapluies De Cherbourg” denken. Wo Demy damals mit den Gesangs- und Tanzeinlagen die aufgerüschte Hollywood-Welt der 50er evozierte und dabei die unterkühlte Strenge der Nouvelle Vague konterkarierte, funktioniert Resnais’ Teamarbeit mit Jaoui/Bacri (die beiden schrieben in Abstimmung mit ihm das Drehbuch) allerdings als postmodernes Pastiche: Nicht die SchauspielerInnen selbst singen, sondern ihnen werden abrupt Fetzen bekannter französischer Schlager von Piaf über Gainsbourg bis zu Téléphone in den Mund gelegt, egal, welchen Geschlechts (besonders hübsch: Birkin singt Birkin). Aber nicht allein dieser drollige Einfall macht den Film so ungeheuer vergnüglich, sondern vor allem die völlig unübertriebene und damit umso lustigere Schrulligkeit seiner Charaktere: Sabine Azéma mit ihrer halb-hysterischen, verschmitzten Entschlossenheit, das Leben komplett im Griff zu haben (“Aspirin? Nehme ich nur alle zehn Jahre! Kopfweh? Kenne ich nicht!”), scheint das geborene Gegenstück zu ihrer Filmschwester Agnès Jaoui mit deren stets leicht vor sich hin brütenden und damit komödiantisch so dankbaren Angespanntheit (und dem undankbaren Film-Dissertationsthema “Der Landadel im Jahr 1000 am Paladru-See”). All die mittelalten, gezeichneten und trotzdem durchaus lebenswilligen PariserInnen taumeln und tänzeln umeinander herum, bis sich am Ende doch noch alles löst – ganz ohne Kitsch. Eine der besten französischen Komödien der 90er.




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