
Die bitteren Tränen der Petra von Kant
D 1972
[R: Rainer Werner Fassbinder; D: Hanna Schygulla, Margit Carstensen; Arthaus / Kinowelt]
28.02.2007, 15:54, Text:
Martin Büsser
Formal ist “Die bitteren Tränen der Petra von Kant” sicher einer der strengsten Filme, die Fassbinder gedreht hat. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, von Fassbinder geschriebenen Theaterstück und ist selbst wie ein Stück aufgebaut, spielt er doch fast ausschließlich im Schlafzimmer der Modedesignerin Petra von Kant (Margit Carstensen). Petra hat sich in die junge Karin (Hanna Schygulla) verliebt und erkauft sich deren Gunst, indem sie Karin eine Karriere als Model ermöglicht. In einem subtilen, beengenden Spiel von Begehren und Abhängigkeit – unterstützt durch die Enge des Raumes, in dem der ganze Film spielt – inszenierte Fassbinder einen im positiven Sinne quälenden Film über Macht- und Besitzansprüche: Petra klammert sich völlig an Karin, die sich allerdings nach wie vor mit Männern trifft und schließlich, als ihr die Beziehung zu Petra zu erdrückend wird, zu ihrem Mann zurückkehrt. Petra beginnt sich daraufhin ihrer schüchternen Dienerin Marlene (Irm Hermann) anzuvertrauen, die sie die ganzen Jahre abfällig behandelt hat.
Vergleichbar mit Bergmans “Szenen einer Ehe”, befindet sich hier der europäische Autorenfilm auf seinem Höhepunkt: In radikaler Abkehr vom Illusionskino setzte Fassbinder ganz auf das Charakterspiel seiner Schauspielerinnen und verzichtete auf jegliches filmisches Beiwerk. Bis heute lässt sich darüber streiten, ob hier das Kino radikal zu sich selbst gefunden hat oder einfach nur Theater imitiert wurde.
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